Montag, 12. Januar 2026

Rezension: Thomas E. Ricks - Waging a good war. A Military History of the Civil Rights Movement, 1954-1968

 

Thomas E. Ricks - Waging a good war. A Military History of the Civil Rights Movement, 1954-1968 (Hörbuch)

Die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung wird vor allem als eine bereinigte Feel-Good-Geschichte erzählt, in die sich die weiße Mehrheit mit hineinimaginieren kann. Ähnlich wie in Deutschland quasi alle im Widerstand waren und nur extrem böse Menschen Nazis waren, waren Segregationisten in den USA eine winzige, bösartige Minderheit, die merkwürdigerweise dennoch im ganzen Land die Gleichstellung der Schwarzen ein Jahrhundert lang nicht nur verhindert, sondern vor allem (aber bei weitem nicht nur) im Süden in mörderischer Gewalt gesichert hatte. In dieser Fantasieerzählung steht Rosa Parks im Bus nicht auf, hält Martin Luther King eine Rede in Washington, eventuell gibt es noch den Marsch über die Brücke in Selma, weil jemand den Film gesehen hat, und dann erkennen die Weißen die moralische Überlegenheit der Bürgerrechtsaktivisten an und der Rassismus wurde besiegt. Ähnlich wie 1945 die braunen Aliens wieder in die Raumschiffe stiegen, aus denen sie 1933 kamen, und auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

Donnerstag, 8. Januar 2026

Rezension: Evke Rulffes - Die Erfindung der Hausfrau. Geschichte einer Entwertung

 

Evke Rulffes - Die Erfindung der Hausfrau. Geschichte einer Entwertung

Es dürfte inzwischen allgemein bekannt sein, dass die Hausfrau als Ideal der bürgerlichen Gesellschaft eine soziale Konstruktion ist, die in früheren Epochen kein Äquivalent besitzt (und mangels einer bürgerlichen Gesellschaft auch nicht haben kann). Die Ubiquität der Hausfrau als Bezugspunkt weiblichen Rollenverständnisses vor allem im 19. und 20. Jahrhundert macht eine Beschäftigung mit ihren Ursprüngen umso interessanter. Wie so oft in der Geschichte ist die Annahme, dass etwas, das in einem Jahrhundert seine Blüte erlebte, seine Ursprünge im Jahrhundert davor besitzt, eine durchaus stabile. Evke Rulffes Werk über die "Erfindung der Hausfrau" ist deswegen im 18. Jahrhundert verortet und betrachtet die Entwicklung einer spezifischen geschlechtlichen Arbeitsteilung, wie sie für unsere Gesellschaften fundamental werden sollte und im 21. Jahrhundert mehr und mehr in die Kritik gerät. Da man immer wissen sollte, woher man kommt, wenn man irgendwo hin geht, macht diese Beschäftigung auch großen Sinn.

Montag, 5. Januar 2026

Rezension: Christoph Nonn - Zwölf Tage und ein halbes Jahrhundert

 

Christoph Nonn - Zwölf Tage und ein halbes Jahrhundert

Es gibt zahlreiche Geschichten des Kaiserreichs, so dass es durchaus Sinn macht, über eine grundlegende Strukturierung nachzudenken, vor allem, wenn man nicht den Anspruch hat, diese Geschichte in allen Facetten umfassend, sondern etwas leichter verdaulich zu gestalten. Christoph Nonns strukturierendes Element ist es, sich zwölf Tage in dem halben Jahrhundert Existenz des Kaiserreichs herauszugreifen und an ihnen exemplarisch Elemente dieses widersprüchlichen Staates aufzugreifen. Dieses griffige und etwas populäre Konzept heißt aber nicht, dass der Band deswegen auf wissenschaftlichen Anspruch verzichten würde und müsste. Nonn ist ein Experte für sein Fachgebiet, der die Lesenden in einer leichter verdaulichen Weise an seinem Kenntnisreichtum teilhaben lässt.