Mittwoch, 14. November 2012

Der Ursprung des Anti-Amerikanismus

Von Stefan Sasse

Typische anti-amerikanische Darstellung
Der Anti-Amerikanismus ist in Deutschland tief verwurzelt. Wir schleppen ihn bereits seit langer Zeit in unserer historischen DNA mit herum. Man begegnet ihm in verschiedenen Formen, ob es in der pauschalen Aburteilung der Amerikaner als ein "kulturloses" Volk ist - Stichwort Hollywood - oder ob es die oftmals blutigen Interventionen in anderen Staaten ist. Obwohl die Deutschen bereits im 19. Jahrhundert eine Meinung zu den Amerikanern hatten (Friedrich Daniel Bassermann etwa zog die USA in seinem Aufruf zur Wahl einer Nationalversammlung 1848 ausführlich und explizit als Vorbild heran), entwickelte sich das eigentliche, spannungsgeladene Verhältnis zu Amerika erst in den 1920er Jahren. Die Amerikaner waren für Deutschland vorher keine echte Größe. Das ausgehende "lange 19. Jahrhundert" (1789-1914/18) war so eurozentristisch gewesen, dass der langsame Aufstieg der USA zur Großmacht eher unbemerkt vonstatten ging, noch dazu, da die Amerikaner dem Kolonialismus offen abschworen. Ihr entscheidender Eintritt in den Ersten Weltkrieg, ihr demokratisch-liberales Versprechen der "14 Punkte" und der von den Deutschen als Verrat empfundene Gang der Friedensverhandlungen in Versailles schleuderten die USA mit einem Mal jäh in die deutsche Aufmerksamkeit.

Der Anti-Amerikanismus der 1920er Jahre war vornehmlich eine konservative Erscheinung. Nicht nur verübelten die Rechten den USA ihre Teilnahme am Weltkrieg gegen Deutschland. Der wirtschaftliche Erfolg Amerikas und seine wichtige Rolle für die Finanzierung Deutschlands, das mit amerikanischen Krediten die Reparationen aus dem Versailler Vertrag bediente, sorgten ebenfalls für Animositäten. Zum Teil aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus, zum Teil auch einfach aus Chauvinismus entwickelten die Rechten einen Anti-Amerikanismus, der sich vor allem durch seinen konstruierten Gegensatz von Zivilisation und Kultur auszeichnete. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert hatten deutsche Vordenker gerne einen solchen Gegensatz zwischen Deutschland und England gezeichnet, der nun nahtlos auf die USA übertragen wurde, wo er auf deutlich furchtbareren Boden fiel. 
Man beachte die Sprache.

Dieser Lesart zufolge habe Deutschland "Kultur" - man muss sich im Geiste dazu Goethe, Mozart und Hegel denken - während die USA zwar die Annehmlichkeiten der "Zivilisation" besitzen - also Kühlschränke, Autos und Telefone - aber eben jegliche geistige Entwicklung vermissen ließen. Verstärkt wurden diese Vorurteile durch Reiseberichte, die im Tenor negativ die neuen Entwicklungen und Trends aus den USA in den Fokus rückten, vor allem den Jazz, Radio und den aufkommenden Massenkonsum. Da diese Entwicklungen zeitverzögert auch in Deutschland ankamen und im konservativ und völkisch geprägten Rechts-Milieu auf Ablehnung stießen, konnte der Anti-Amerikanismus massentauglich werden, war man doch mit dem "amerikanischen Sittenverfall" bereits vor der eigenen Haustüre konfrontiert. Zusätzlich eigneten sich die USA mit ihrer schwarzen Bevölkerung und der vergleichsweise geringen Diskriminierung von Juden als Projektionsfläche für rassistische Ressentiments. Diese Entwicklung verstärkte sich in der Nazi-Diktatur natürlicherweise noch und fand ihren Höhepunkt während des Krieges.

Nach dem Krieg jedoch war Anti-Amerikanismus auf Seiten der Rechten ein Randphänomen der Extremisten, vor allem der Neo-Nazis. Die Konservativen und Bürgerlichen warfen sich dem neuen Freund, der ihren bürgerlichen Staat gegen den drohenden Kommunismus zu garantieren schien, um den Hals. Zwar lebten die Ressentiments gegen die "Zivilisation" fort, blieben jedoch auf die heimischen Wohnzimmer begrenzt, wo man den Nachwuchs möglichst lange von der aufkommenden amerikanischen Popkultur von James Dean bis Elvis fernzuhalten gedachte. Da die deutsche Kulturszene aber kein eigenständiges Angebot machen konnte, war der Siegeszug der amerikanischen Unterhaltungsindustrie nicht aufzuhalten, und das Meckern verkam zu einer reinen Symbolgeste, mit der man seine eigene Intellektualität unterstrich. 

Anti-amerikanische Demo 1984
Stattdessen entwickelte sich auf der Linken in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein gänzlich anderer Strang deutschen Anti-Amerikanismus. Für sie war Amerika bisher weder Urquell alles Bösen noch großer Magnet der Hoffnungen gewesen. Der Ost-West-Konflikt aber schleuderte sich als links begreifende Menschen fast automatisch in eine antagonistische Position zu den USA (und eine freundliche zur Sowjetunion). Die sowjetische Propaganda verstand dies geschickt auszunutzen, indem sie den USA einen neo-kolonialen "Imperialismus" vorwarf (der sich nicht von ungefähr noch heute im linken Standardrepertoire findet) und sich selbst quasi per sozialistischer Selbstzuschreibung für immun erklärte. Dies ist, nebenbei bemerkt, praktisch eine Umkehrung der amerikanischen Position aus dem 19. Jahrhundert, in der man wohlfeil den europäischen Mächten Kolonialismus vorwarf, während man sich selbst im Pazifik ein Kolonialreich zusammeneroberte und dies mit Verweis auf seine demokratische Verfassung heftig bestritt. 

Diese Frontstellung der Linken gegen die USA zog sich durch die gesamte Zeit des Ost-West-Konflikts hindurch. Sie ist auch die Hauptwurzel des linken Anti-Israelismus, der praktisch nichts mit Anti-Semitismus zu tun hat, wie es seine rechte Spielart tut. Auch die Frontstellung gegen Israel ist ein eher zufälliges Produkt des Ost-West-Konflikts, denn die USA unterstützten Israel, die Sowjetunion seine Gegner. Dieser Frontstellung konnte sich praktisch niemand entziehen, weder auf der einen Seite (wo Kritik an den USA lange Zeit Vaterlandsverrat fast gleichgestellt war) noch auf der anderen Seite (wo die USA spätestens seit Vietnam der Feind Nr. 1 waren). 

Anti-amerikanisches Graffiti in Venezuela
Der konservative Anti-Amerikanismus hat sich im Gedächtnis der Bevölkerung besser gehalten, weil er unpolitisch ist. Ein Verweis auf die mangelnde Bildung und Kultur der Amerikaner ist schnell gemacht, wird praktisch überall goutiert und verlangt keine tiefer gehende Beschäftigung mit dem Gegenstand. Der linke Anti-Amerikanismus dagegen ist zutiefst politisch und stigmatisiert die USA als Inbegriff des verhassten radikal-kapitalistischen Systems und des "Imperialismus". Er erfordert einen größeren Grad an politischem Bewusstsein, ist aber in diesen Kreisen dafür umso wirkmächtiger. Seine oftmals radikale und ultimative Ablehnung der USA korrespondiert mit der gleichermaßen emphatischen Ablehnung der USA durch die extreme Rechte, die in alter Tradition ebenfalls den Radikallapitalismus ablehnt (der freilich so auch an der Wallstreet nicht existiert), die "Vernegerung" des Landes beschreit und die USA als "Besatzungsmacht" ablehnt. Die Kritikflächen scheinen zwischen linkem und rechtsradikalem Anti-Amerikanismus ähnlich, insbesondere in der Ablehnung der Unterstützung für Israel und der Ablehnung des Kapitalismus, aber das ist reiner Zufall. Linke und Rechte werden fundamental unterschiedlichen Motivationen in ihre Ablehnung gegen die USA getrieben. Trotzdem oder gerade deshalb ist es ihren Gegnern aber ein leichtes, sie in denselben Topf zu werfen und damit in der breiten Bevölkerungsmehrheit zu disavouieren, damals wie heute.

Bildnachweise:
Teheran - Bertil Videt (GNU 1.2)
Demo -  Bundesarchiv, Bild 183-1984-0909-406 / Schindler, Karl-Heinz / CC-BY-SA
Venezuela -  Erik Cleves Kristensen (CC-BY-SA 2.0)

Kommentare:

  1. Da kann ich dir nur in manchen Punkten zustimmen, generell ist mir diese Analyse aber in vielen Fällen zu vereinfacht.

    1) Wenn du etwa mal in Dan Diners lesenswertes "Feindbild Amerika" schaust, dann dient Amerika (bzw. eher die USA, Kanada, Südamerika etc. spielen da ja keine Rolle) eher als Projektionsfläche eigener Wünsche. Diese Analyse des Antiamerikanismus braucht auch eine Gegenüberstellung des Landes als eine Art gelobtes Land, was sich auch quer durch die deutsche Geschichte zieht - von Karl May und seinen edlen Indianern über das gelobte Auswanderungsland, in dem jeder vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, das Land der Freiheit, der Blue Jeans, der Coca Cola und der guten Musik etc.

    2) Es ist empirisch schwer nachzuweisen, aber ich glaube, dass ein großer Teil der Ablehnung, die den USA entgegen tritt, eben Ausdruck dieser "enttäuschten Hoffnungen" sind, wenn die USA sich eben anders als erwartet verhalten. Das kann man wunderbar an der Person George W. Bush festmachen, während dessen Amtszeit ja deutlich mehr antiamerikanische Sprüche kamen als jetzt unter Obama, selbst bei ähnlicher Politik.

    3) Die Frage ist, wie sehr dieser "Nationalhass" sich auf die reale Macht eines Staates bezieht. Deutsche haben ja lange Zeit gerne Frankreich als Erzfeind bezeichnet oder England als das "perfide Albion". Und die Sowjetunion war auch lange Zeit Feindbild. Die Frage ist halt, wie das mit der Anti-Haltung verknüpft ist. Ich glaube jedenfalls, dass es komplexer ist, als hier dargestellt, schon alleine weil die hier angesprochenen Milieus in sich auch Differenzierungen und unterschiedliche Strömungen aufweisen. "Die Linken", "Die Konservativen" etc. gibt es so eben nicht.

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    1. 1) Stimme dir zu, der Punkt ist bei mir unterrepräsentiert.
      2) Das wage ich für die von mir angesprochenen Entwicklungen zu bezweifeln. Ich würde deinen 1) eher als dritten Strang des Anti-Amerikanismus aufmachen.
      3) Ja, das war auch vereinfachend. Am Ende ist es halt doch ein Blogeintrag und keine wissenschaftliche Abhandlung. ;) Du hast auf jeden Fall Recht, man müsste das weiter ausdifferenzieren.

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  2. Habe selten so einen Quatsch gelesen sie Frage müßte lauten warum will Amerika immer mehr Kriege führen !! Anqort weil die USA einer der verschulddesten Länder in der Welt sind !! Andere als dut oder als böse zu bezeichnen halte ich für größenwahnsinnig und als dumm und frech. Die USa haben oder hatten nie eine Kultut und der Verstand ihrer Bevölkerung lässt zu wünschen, Ich habe aussagen von jugendlichen Amerikanern gehört die meinden Adolf Hitler sei noch an derMacht. Frage wie kann man Leute mögen welche andere Menschen und Nationen mit Bomben und Raketen beschmeißen und mit Uranmunition beglücken. In dem ganzen Bericht stand keine übjektive und reelle Warheit sondern nur Mist. Andere Länder zu überfallen und auszurauben halte ich für keinen menschlichen Akt ich bezeichne solche als Terroristen und Blutsauger sie sind keine Freunde von anständigen Menschen sie sind für mich Zionisten und Vorteiösnehmer !!!!!!! BASSTA

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  3. Grundlinien gut be- und geschrieben.

    Zwei Anmerkungen:

    Nach dem WK II war es vor allem die - unerwartete - Hilfsbereitschaft (Care Pakete, Chewing Gum und Schokolade für die Kinder), die das positive Amerika-Bild schufen. "Der hässliche Amerikaner" (Asien) war dann ein Schock. Auch ihr wenig segensreiches Wirken in Südamerika hat man lange nicht sehen wollen. Kann mich gut erinnern, wie mich die Berichte über United Fruit irritiert haben.

    Insofern stimme ich Dir zu: Enttäuschte Erwartungen.

    Ein Punkt noch: Für Linke wie Rechte spielt Anti-Kapitalismus eine große Rolle, bis heute. Für beide stecken die Juden hinter der Wall Street.




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  4. Möglicherwise noch nicht mit dem Mexikanisch-Amerikanische Krieg 1846 - 1848 spätestens aber mit dem von der USA am 25.4.1898 gegen Spanien erklärten Krieg begann der "Aufstieg" der USA zur Großmacht , ursächlich die Versenkung des amerikanischen Schlachtschiffs USS Maine im Hafen von Havanna 1898.
    Großmacht somit nicht erst 1914/18! :-(
    Dieser Vorfall wurde vom den amerikanischen Medien und dem amerikanischen Establishment ausgeschlachtet, um den von imperialen Motiven getragenen Angriff gegen Kuba zu rechtfertigen. Wenn die Versenkung nicht gar selbst inszeniert war, denn extrem unerklärlich mit welcher Arroganz der Macht es nur erreicht werden konnte diese Ereignisse welche aktuell als "Unfall" gelten geschehen zu lassen.

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    1. Aufstieg zur Großmacht ist etwas anderes als Großmacht sein. Davon abgesehen ging's mir explizit um die europäische/deutsche Wahrnehmung, und denen ging der amerikanisch-spanische Krieg ziemlich hinten vorbei.

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    2. Linke die zu links werden kommen rechts an.

      Siehe Josef Goebbels, Horst Mahler, Kim Jong Il etc...


      Linke können rechts werden aber Rechte nicht links.

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    3. Je länger je weniger verstehe ich die krampfhaften Versuche, linke und rechte unterscheiden zu wollen. Für mich spielt es keine Rolle, ob es nationale oder internationale Sozialisten sind. Deren Argumentation ist ja sehr ähnlich. Wie schon geschrieben wurde, ist Kapitalismus und damit Eigentum und Selbstverantwortung der Hauptfeind aller Sozialisten. Nur wer zu den Guten, Auserwählten gehört unterscheidet sich bei den beiden Ausprägungen. Wobei da der Nationalsozialismus klarer zu erkennen ist (sowohl für Gegner als auch für Mitläufer oder Sympathisanten). Bei den linken (nur ideologischen) Sozialisten kann es schnell passieren, dass man von ganz oben schnell zur Unperson erklärt wird. Die mehrfachen ideologischen Säuberungen, angefangen bei der Französischen Revolution, über die Säuberungen von Lenin, Stalin bis hin zu Mao, sind bezeichnend. Ohne das wissenschaftlich belegen zu können, meine ich dieses während der Nazi-Zeit nur vereinzelt beobachten zu können.

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  5. Doch, das könnte vielleicht gehen.

    Intelligente Linke werden rechts und dumme Rechte links.

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  6. Ach unfug, inteligente Menschen halten sich von der Extremen, an denen es so eine Art Raumkrümung zu geben scheint, welche zwischen den menschenverachtenden Auswüchsen ein Art Wurmloch bildet, fern.

    Intelligente Menschen lassen sich auch nicht davon einschüchtern, dass sie "um dazuzugehören" eine bestimmte Meinung vertreten müssen und trauen es denen, denen sie sich nahe fühlen, zu widersprechen. Umgekehrt können sind sie bereit Positionen zu vertreten, die eigentlich anderen Strömungen zugeordnet werden, wenn sie diese für Vernünftig halten. Ohne jetzt das ganze Ideologiegebäude des anderen zu übernehmen.

    Auf den Punkt gebracht: Selber denken. Nehmen viele für sich in anspruch, tun aber viele nur eher selten.

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  7. Mit der Relativitätstheorie (Raumkrümmung und Wurmloch) erklären, warum die Extreme sich berühren - großartiger Gedanke!

    Aber große Geister irren auch groß ;-)(wie Einstein bei der Quantentheorie: Es ist keine Frage von Intelligenz, den eigenen Leuten zu widersprechen. Die Feigheit vor dem Freunde hat nichts mit dem IQ, wohl aber mit der Persönlichkeit (früher hätte man gesagt: dem Charakter) zu tun.

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  8. Ach Sasse... Es ist wirklich zutiefst erschütternd, dass du wieder mal völlig an den Realitäten vorbei schreibst. Ist es denn wirklich so schwer zu kapieren, wie der Deutsche tickt? Nach all den Monaten mit der Club Med Hetze, dem faulen Griechen, dem unwilligen Franzosen, dem barbarischen Russen, dem seltsamen Chinesen und den zweitklassigen Ostvölkern?

    Jetzt bist du also dem "tief verwurzelten" Anti Amerikanismus auf der Spur?

    Sag doch mal Stefan, welches andere Volk finden wir Deutsche denn Klasse?

    Ne, ne.... um es kurz zu machen, diese Tendenzen sind weltweit einmalig und machen den deutschen "Nationalstolz" so gefährlich wie einzigartig. Denn, falls es dir entgangen ist, es speisst sich der deutsche Nationalstolz nicht etwa, wie andernorts üblich, aus den Schönheiten und der Kultur des eigenen Landes, sondern nahezu ausschließlich aus der Erhebung über andere Völker. Und da ist es völlig wumpe welches du hernimmst.Dass es nun gerade die USA sein sollen, die in der breiten Bevölkerungsschicht noch am Besten abschneidet, ist natürlich der Brüller.

    Vielleicht schaust du zum auffrischen mal öfter bei De Lapuente vorbei, dann kommen solche hanebüchenen Artikel eventuell nicht mehr all zu oft vor.

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  9. In meiner »historischen DNA« (was auch immer das eigentlich sein soll) ist nichts mit anti-amerikanismus verwurzelt. In der schule lernte ich einst, daß die amis »uns bösewichter« nach dem krieg mit kaugummis und einem »marshall-plan« beglückt hätten und es »uns« deshalb »gut« ginge und »wir« deshalb in freiheit und frieden leben könnten. Famoser weise mitten im »kalten krieg«, als im grunde gar nichts friedlich war.

    Man ist doch nicht anti-amerikaner, weil man an der us-politik dinge kritikabel findet, die man an der politik des eigenen staates ebenso mistig findet. Die erklärung, was linker anti-amerikanismus sein soll, erscheint mir etwas dünn.

    Die rechten sind offensichtlich etwas einfacher gestrickt, die floskel, daß »die amis« keine kultur haben und ungebildet sind, ist vermutlich so ziemlich jedem schon mal zu ohren gekommen. Daß das auf meine angeblich höher kultivierten landsleute ähnlich zutrifft, kann man in dieser diskussion recht schön bewundern.

    Keiner, der hier etwas beigetragen hat, konnte auch nur in ansätzen beschreiben, was die grundsätze eines rechten weltbildes oder eines linken weltbildes wären. Stattdessen bekommt man gleich mehrfach geboten, was der brave staatsbürger zu erkennen hat: man muß mitteradikal sein, weil links und rechts im grunde genommen die selbe barbarei wären.

    Die barbarei, in der hier aktuell gelebt wird, kann locker ausgeblendet werden, die ist normal, denn alternativen zur dieser form der barbarei sind verbrechen.

    Wer die grundlagen ein wenig kennt, weiß daß der sogenannte »national-sozialismus« von anbeginn an keine sozialistischen ziele hatte: Da ging es nicht um die auflösung der klassengegensätze. Gegen ausbeutung des menschen durch den menschen hatte der »führer« bekanntermaßen nichts, solange die »richtigen« geknechtet und ausgebeutet werden.

    Es ist etwas völlig anderes, ob man einen klassengegensatz erkennt und abbauen möchte, wie linke das tun oder ob man auf die idee verfällt, daß alle unbill, die den deutschen arbeitern widerfährt von einer rasse verursacht würde, die sich angeblich parasitär eingenistet habe.

    Menschen, die das in einen topf manschen, kann ich es kaum vorwerfen, weil es zweckdienlich ist, daß möglichst wenige auf die idee kommen, diesen »laden« hier in frage zu stellen und man somit auch kaum in der schule lernt, wie das geht. Und dann bejubelt man sich lieber selbst, daß man einen IQ hat, obwohl man den gar nicht bräuchte, weil man wenig damit anstellt.

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