Montag, 15. September 2014

Fundstücke

Von Stefan Sasse

- Eine ausführliche Rezension von Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit"

- Eine Gegenrede von Heinrich August Winkler zu Clarks "Schlafwandler". Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, als ob er deutlich mehr in das Buch reinliest, als drinsteht - ganz so wie seine Gegner, im Übrigen.

- Interview mit Götz Aly über Euthanasie im Dritten Reich.  

- 40 Karten, die das Römische Reich erklären (Englisch). Ich bin nicht überzeugt dass die irgendwas "erklären", aber es ist eine nette Kartensammlung. 

Kommentare:

  1. Ich wartete schon darauf, dass Du Dich mal auf die Schlafwandler beziehst. Hast Du es gelesen, den Eindruck erweckt Deine Anmerkung. Wie fällt denn Dein Fazit aus?

    Gruß, M.

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    1. Ich fand es sehr interessant. Müsste ich eine Inhaltsangabe machen würde ich sagen, dass es sich auf die Handlungen und Strukturen der Exekutiven Europas in der Epoche bezieht.
      Die Vorstellung, dass das Buch alleine irgendwie eine vollständige Theorie des Kriegsausbrauchs wäre - was sowohl Gegner als auch Fans ständig darin zu erkennen glauben - halte ich für völlig abwegig. Mir scheint nicht, dass Clark das vorhatte.
      Ich mochte das Buch eigentlich sehr, weil die Informationen darin so noch nicht wirklich bekannt waren.

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  2. "Handlungen und Strukturen der Exekutiven Europas" trifft es, glaube ich, ganz gut. Ich fand das Buch auch interessant, wenn auch in einigen Passagen ein wenig zu langatmig. Als Mitarbeiter in einer Exekutiven kann ich seine Darstellung durchaus nachvollziehen, weil ich viele Strukturen und daraus entstehende Automatismen in vielerlei Fällen wiedererkenne.

    Ich meine, Clark beschreibt das offensichtliche. Wie sich manche Dinge - auch schreckliche - einfach so ergeben, weil man sich immer weiter in seine eigenen Handlungen verstrickt, die für sich und lediglich aus eigener Perspektive betrachtet sinnvoll und nachvollziehbar sind. Die aber von außen betrachtet vollkommen anders wahrgenommen werden und letztendlich nur das große ganze Bild zementieren. Das führt dann wiederum dazu, dass die Handlungsoptionen von Entscheidung zu Entscheidung immer geringer zu werden scheinen. Ich denke, jeder kennt solche Situationen im kleinen auch aus seinem Privatleben. Da Du ja auch ein großer ASoIaF-Fan bist: Ich finde, Martin gelingt es gerade diese Problematik ein ums andere Mal hervorragend in seiner Romanreihe zu beschreiben.

    Ich vermag nicht zu sagen, was Clark nun genau vorhatte. Für mich als Interessierter hat Clark allerdings schon etwas erreicht, was Linke durchaus als Verbreitung revisionistischen Gedankenguts bezeichnen könnten. Mir persönlich ist deutlicher geworden, dass man eine Alleinschuld Deutschlands am WK 1 schon kritisch sehen muss. Ja, mir war der vorhandene Diskussionsstand unter Historikern, die Alleinschuldthese sei nicht mehr aufrecht zu halten (zugunsten einer Art Hauptschuld-These), schon bekannt, hatte sich bei mir aber noch nicht so festgesetzt.

    Geradezu grotesk finde ich allerdings den Gedankengang, eine Relativierung von Deutschlands (natürlich zweifellos wesentlichen) Anteil am WK 1 könnte dazu dienen, auch die Schuld Deutschlands am WK 2 zu relativieren (vor allem wegen Versailles). Eher umgekehrt bin ich geneigt zu sagen, dass eines der Verbrechen Nazi-Deutschlands (hier gemeint ist der Beginn eines Angriffskriegs) durch eine ergebnisorientierte Schuldtheorie zum WK 1 nur unnötig relativiert wird: Es bedarf keines WK 1 um festzustellen, dass Deutschland 1939 völlig unprovoziert, vollkommen unnötig und letztlich absolut verbrecherisch mit dem Angriff auf Polen sehenden Auges einen Weltkrieg begonnen hat. (Disclaimer: Es steht außer Frage, dass der Beginn eines Krieges nur eines der schweren und unverzeihlichen Verbrechen Deutschlands zwischen 1933 und 1945 war.)

    Gruß, M.

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    1. Kann man nur unterstreichen. Wo arbeitest du denn?

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