Sonntag, 3. April 2011

Der Zweite Weltkrieg, Teil 3/5: Der pazifische Kriegsschauplatz 1941-1944

Von Stefan Sasse

Angriff auf Pearl Harbor aus einem jap. Flugzeug gesehen
Die Ereignisse des Jahres 1940 waren nicht nur in Europa und Amerika aufmerksam verfolgt worden. Auch im fernen Japan beobachtete man den Fall Frankreichs und der Benelux-Staaten sowie die lebensbedrohliche Lage, in der sich England befand. Deutschland war schon physisch nicht in der Lage, sich der großen Kolonialreiche dieser Länder zu bemächtigen, und es hatte auch kein Interesse daran. Die Japaner, deren Krieg mit China in ein deprimierendes und kostspieliges Patt gelaufen war, warfen ein begierliches Auge auf die europäischen Kolonien in Fernost. Das niederländische Indonesien und das französische Indochina, das englische Burma und vielleicht sogar Bangladesch und Indien - es muss aus der geopolitischen Lage jener Tage heraus wie reife Früchte an einem völlig unverteidigten Baum ausgesehen haben. Im Verlauf 1940/41 brachten die Japaner Indochina und Indonesien mit Zwang und Erpressung in ihren Machtbereich: die Niederländer stimmten weitreichenden Lieferungen zu, jedoch keiner Besetzung (die die Japaner dann einfach trotzdem gewaltsam unternahmen), während die Vichy-Regierung auch auf deutschen Druck hin der Besetzung Indochinas durch Japan zustimmte. Diese aggressiven Ausweitungen der japanischen Einflusssphäre bedrohten amerikanische Interessen elementar, legten sie doch den Grundstein für einen starken Ausbau der japanischen Wirtschaft und Armee und ermöglichten es dem Inselreich so, die Kontrolle der Amerikaner im Pazifik anzufechten - und die amerikanische Kolonie der Philippinen direkt zu bedrohen, auf denen die USA wichtige Stützpunkte unterhielten. 

Die Angriffe der Japaner auf die europäischen Kolonien führten direkt zur Verkündung eines Ölembargos durch die Vereinigten Staaten. Den Amerikanern war klar, wie prekär die Versorgungslage der Japaner mit dem wichtigen Rohstoff war: 80% der gesamten japanischen Versorgung wurden im Handel mit den Amerikanern gedeckt, obwohl man sich durch die Eroberung gerade Indonesiens ein stärkeres eigenes Standbein versprach. Als die USA den Ölhahn zudrehten, besaß Japan für anderthalb Jahre Öl unter Friedens- und für kaum ein halbes Jahr unter Kriegsbedingungen. Es gab nur zwei Optionen für das Kaiserreich: entweder es stellte seine Ambitionen auf die Eroberung eines eigenen Kolonialreichs und der Verdrängung der Europäer aus Fernost (die Schaffung der so genannten "großasiatischen Wohlstandssphäre") ein, oder es suchte die Entscheidung auf militärischem Gebiet. Die im Zuge des chinesischen Krieges ohnehin erstarkte Militärjunta sah politische Verhandlungen, noch dazu mit einseitigen Konzessionen Japans aus einer Position der Schwäche heraus, nicht als Option an. Für sie wie für die meisten Japaner stellte das amerikanische Öl-Embargo eine Kriegserklärung dar.

Roosevelt im Kongress bei der Rede zur Kriegserklärung
Bis heute ranken sich diverse Verschwörungstheorien um die wahren Absichten Franklin D. Roosevelts. Am hartnäckigsten hält sich die Überzeugung, dass das Embargo bereits auf den kriegerischen Befreiungsschlag der Japaner abzielte und es Roosevelt so ermöglichen sollte, gegen den Willen der isolationistischen Amerikaner doch in den Zweiten Weltkrieg einzutreten. Demzufolge hätten die obersten Militärs von Pearl Harbor gewusst und absichtlich die "wertvollen" Schiffe auslaufen lassen (zufällig waren die amerikanischen Flugzeugträger nur Tage vor der Attacke ausgelaufen und nicht im Hafen) und die veralteten Schlachtschiffe gewissermaßen als Bauernopfer für den Kriegseintritt genutzt. Diese Version erscheint aber wenig glaubhaft. Genauso wie bei der gleichartigen Theorie um 9/11 müssten einfach zu viele Personen zu lange ein so gewaltiges Geheimnis bewahren. Hunderte Personen, die von den Ereignisse wissen und niemals ihr Schweigen brechen? Das ist extrem unwahrscheinlich. Außerdem war der Krieg gegen Japan für die USA damals kein wünschenswertes Ereignis, denn Roosevelts Blick war auf Nazi-Deutschland gerichtet, das drohte, Europa zu verschlingen und damit den Zugang zum Handel abzuschneiden - für die USA eine lebenswichtige Voraussetzung. Roosevelts Hoffnung, die Japaner an den Verhandlungstisch zwingen zu können, ist echt. Allein, für ihre Erfüllung hätte es rational denkende Verhandlunspartner gebraucht. Als solche waren die in einem engen Ideologiekonstrukt von Ehre und Militanz gefangenen japanischen Militärs aber kaum zu betrachten.

Auf militärstrategischem Gebiet handelten die Japaner allerdings durchaus rational, zumindest deutlich mehr als Hitler dies in Europa tat. Ihnen war klar, dass sie in einem offenen Kampf keine Chance gegen die US Navy haben würden. Kriegsgegner wie Admiral Yamamoto argumentierten auch genau damit gegen eine militärische Lösung. In Japan jedoch war ein ähnlicher Nationalchauvinismus am Werk wie in Deutschland. Die Japaner sahen sich als Angehörige der Yamato-Rasse, die allen anderen asiatischen Rassen (wie etwa Chinesen oder Koreanern) ebenso überlegen war wie den verweichlichten und dekadenten Amerikanern, Briten, Holländern und Franzosen. Die japanischen Überlegungen zu einem Militärschlag fußten deswegen hauptsächlich auf einem folgenschweren Irrtum: die Planer waren der Überzeugung, dass ein entscheidender Schlag auf Pearl Harbor die amerikanische Pazifikflotte stark schwächen konnte, so dass die USA für ein halbes oder gar ganzes Jahr nicht zu Operationen fähig sein würden. In dieser Zeit würde Japan in Fernost ein fait accompli schaffen, das die Amerikaner dann - der Hoffnung auf einen Zweifrontkrieg der Japaner gegen die europäischen Kolonialmächte beraubt - nicht mehr anfechten würden, weil ihnen dafür der Mut und die Entschlossenheit fehlten. Es sollte sich jedoch nur zu bald herausstellen, dass diese Hoffnung allein auf den Sand einer Ideologie gebaut war. Die Amerikaner waren sehr wohl in der Lage, einen entbehrungsreichen und langen Krieg zu führen, wenn nur die Motivation stimmte. Und diese Motivation lieferten die Japaner mit ihrem Angriff auf Pearl Harbor, der selbst heute noch lebhafte Reaktionen in den USA hervorruft und dem Willen Roosevelts gemäß als "Tag, der in Schande erinnert werden soll" (a date which will live in infamy) auch entsprechend erinnert wird.

"Rächt den 7. Dezember", US-Plakat (1942)
Die japanische Flotte schlich sich im Spätherbst 1941 in die Nähe Hawais. Dem Schlachtplan entsprechend sollte sie nicht bemerkt werden, um dann mit Flugzeugen einen Überraschungsangriff auf den amerikanischen Flottenhauptstützpunkt Pearl Harbor durchzuführen. Obwohl der Angriff ein taktischer Sieg war - vier Schlachtschiffe wurden versenkt, vier weitere schwer beschädigt - verfehlte er sein eigentliches Ziel, die amerikanische Flotte im Pazifik nachhaltig zu schwächen. Kein einziger US-Flugzeugträger konnte zerstört werden, auch der Militärnachrichtendienst und die U-Boot-Docks blieben unbeschädigt. Wie das Jahr 1942 zeigen sollte, war die Zeit der Schlachtschiffe aber vorbei, und die Ära der Flugzeugträger hatte begonnen (die Japan konsequenterweise auch zum Angriff auf Pearl Habor verwendet hatte). Die Verluste der USA waren also bei weitem nicht so einschneidend, wie dies auf den ersten Blick den Anschein hatte. Umso profunder war die moralische Wirkung, die der japanische Angriff hatte. Die Amerikaner waren von rassistischen Vorurteilen keineswegs frei und betrachteten die Japaner als unterlegene Menschen, wenngleich sie es weniger auf das Blut denn auf eine kulturelle und zivilisatorische Unterlegenheit schoben. Dass ihre mächtige Pazifikflotte ausgerechnet von den Japanern so mit heruntergelassenen Hosen erwischt worden war schmerzte. 

Die amerikanische Propaganda machte sich das gezielt zunutze. Anstatt das nachrichtendienstliche Desaster herunterzuspielen, ging man die Offensive und klagte die Hinterlistigkeit und Heimtücke der Japaner an, was sich im Zuge des Krieges durch die Guerilla-Taktiken der Japaner beim "Inselspringen" schnell zu einem Stereotyp verdichten würde. Die Propaganda wurde durch die Tatsache weiter befeuert, dass der Angriff in den noch laufenden Verhandlungen mit Japan stattfand, die dadurch einen reinen Täuschungscharakter erhielten. In den USA verschwand die vorher isolationistische Stimmung quasi über Nacht und machte einer Entschlossenheit zum Kampf gegen Japan platz, ein Phänomen, das bereits bei früheren Gelegenheiten in der amerikanischen Mentalität zu beobachten war, etwa beim Ausbruch des Bürgerkrieges.

Japanische Schlachtschiffe
Die Japaner attackierten jedoch nicht nur Pearl Harbor. Binnen Tagen nach dem Angriff auf Hawai versenkten sie vor Malaya zwei britische Schlachtschiffe und dezimierten damit die ohnehin schwache britische Streitmacht in der Region. Thailand kapitulierte innerhalb von 24 Stunden nach dem japanischen Angriff und schloss am 21. Dezember ein formales Bündnis. Am 25. Dezember fiel Hongkong, kurz darauf die US-Basen auf Wake und Guam. Im Januar 1942 griffen die Japaner Burma, Niederländisch-Indien, Neu-Ginuea, die Solomon-Inseln, Manila, Kuala Lumpur und Rabaul an. Die britische Garnison in Malaya wurde bis nach Singapur abgedrängt und dort belagert. Gleichzeitig errang die japanische Luftwaffe die absolute Luftherrschaft im gesamten westlichen Pazifikraum und bombadierte sogar das australische Darwin - ein strategisch sinnloser Angriff, der in Australien aber große Panik und Invasionsangst hervorrief.
Diese schnellen Siege waren möglich, weil weder die Niederlande noch Großbritannien mehr als Rumpfgarnisonen zur Verfügung hatten. Fast alles Mögliche war nach Europa und Nordafrika abgestellt worden, um dort den deutsch-italienischen Vormarsch aufzuhalten. Der Angriff der Japaner überraschte damit nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Alliierten. Deren Streitkräfte wurden viel entscheidender getroffen als die der Amerikaner und spielten im weiteren Kriegsverlauf kaum eine Rolle mehr. Gleichzeitig aber waren diese Siege letztlich unbedeutend, was auch der japanischen Führung klar sein musste: wenn die USA nicht besiegt oder zumindest neutralisiert und abgeschreckt wurden, waren all die Siege gegen die abgewirtschafteten europäischen Kolonialmächte sinnlos. Einstweilen aber ging der japanische Siegeszug weiter und brachte im Februar 1942 die erste ikonische Niederlage der Europäer in Singapur. 

Kapitulation der Besatzung von Singapur
Singapur, am äußersten Ende der malayischen Halbinsel gelegen, war die stärkste britische Festung in der Region. Sie hatte für die Engländer einen ähnlichen mentalen Stellenwert wie die Maginot-Linie für Frankreich. Die trügerische Sicherheit, die die Festung versprach, war das Ziel der kopflosen Flucht der britischen Besatzung geworden, die unter den ersten japanischen Angriffen zusammengebrochen war, obwohl die kaiserlichen Truppen unterversorgt und schlecht ausgerüstet waren und kaum auf dieselbe Mannstärke kamen. Fast 85.000 britische, indische und malayische Soldaten hielten nun die Festung und standen kaum 36.000 Japanern gegenüber. Singapur war eine gegen See hin stark gesicherte Festung; die schmale Landbrücke aber war nur unzureichend gesichert. Genau hier landeten die Japaner an und begannen die Einnahme von Stadt und Festung. Die Verteidiger verloren mehrere Gefechte und mussten sich Stück um Stück zurückziehen. Dabei war ihnen überhaupt nicht bewusst, wie die Stärkeverhältnisse in Wirklichkeit lagen und dass die japanischen Truppen fast keine Vorräte mehr besaßen. Den japanischen Kommandeuren war das umso mehr bewusst, und sie entschieden sich zum Bluff. Sie forderten die Briten zur Kapitulation auf, weil Widerstand sinnlos sei. Die Kämpfe zogen sich noch ein paar Tage hin, aber letztlich war die Moral der Verteidiger so niedrig, dass sie kapitulierten. Über 50.000 Mann gingen in Gefangenschaft. Die Niederlage von Singapur ist die größte Kapitulation der an Desastern reichen britischen Militärgeschichte. 

Die britische Niederlage in Fernost wurde durch die Schlacht in der Javasee verstärkt, wo die Flotte der Alliierten in der Region praktisch ausgeschaltet wurde. Während die Japaner ihre Bombardements bis Sri Lanka (damals Ceylon) ausdehnten, schritt die Eroberung von Niederländisch-Indien rasch voran und war Anfang April abgeschlossen. Die Landoffensive brachte die Japaner bis weit nach Burma hinein, während gleichzeitig die Philippinen erobert und damit der wichtigste Stützpunkt der Amerikaner im westlichen Pazifik ausgeschaltet wurde. Nichts schien den Vormarsch des Kaiserreichs stoppen zu können, und nichts darauf hinzudeuten, dass der Zenith des japanischen Vormarschs erreicht sein könnte. Um ihre Vormachtsstellung im Südpazifik auszubauen, hatten die Japaner beschlossen, Anfang Mai die strategischen alliierten Stützpunkte in Neu-Guinea endgültig auszuschalten und zu diesem Zweck einen guten Teil ihrer Flotte entsandt, die von der amerikanischen bereits erwartet wurde. 

US-Flieger in der Schlacht um Midway
Die folgende "Schlacht im Korallenmeer" (Battle of the Coral Sea) war die erste Seeschlacht, in der Flugzeugträger sich gegenseitig angriffen und die ohne direkten Beschuss von Schiffen auskam. Sie war ein weiterer taktischer Sieg für die Japaner, die mehr Schiffe versenkten als die Amerikaner, ultimativ jedoch eine strategische Niederlage. Das operative Ziel Japans, Neu-Guinea auszuschalten, wurde nicht erreicht. Schlimmer noch, zwei Flugzeugträger fielen für den im nächsten Monat angesetzten Angriff auf Midway aus. Da die Japaner im Zuge der Kämpfe um die Solomon-Inseln und Neu-Guinea ohnehin bereits Verluste an Schiffsubstanz erlitten hatten, war dies umso dramatischer. Midway selbst war ein Atoll im Pazifik, das über Flugplätze verfügte und den Amerikanern so Luftoperationen im Westpazfifik ermöglichte. Die Japaner wollten es nach dem überraschenden Doolittle-Raid angreifen, einem strategisch bedeutungslosen Bombardement Tokios einiger weniger Bomber ohne Rückkehrmöglichkeit Anfang 1942. Der Doolittle-Raid war als Vergeltung für Pearl Harbor gedacht und hob die Moral der Amerikaner spürbar, während die Japaner in Panik gerieten und sich durch eine Ausweitung ihrer Verteidigungszone nach Midway gegen folgende Angriffe zu sichern hofften. Midway aber wurde zum Desaster: die Amerikaner hatten die japanischen Codes geknackt und ihnen eine Falle gestellt; die japanische Flotte verlor vier Flugzeugträger und war der US Navy ab diesem Zeitpunkt entscheidend unterlegen. Der Versuch Japans, auf Guadalcanal eine Luftwaffenbasis einzurichten, wurde durch einen US-Angriff und die Eroberung der Insel zunichte gemacht.

Im Süd- und Westpazifik war dadurch ein Patt entstanden. Der japanische Vormarsch war aufgehalten, aber die Amerikaner waren nicht stark genug, eigene Offensivoperationen durchzuführen. Schon der verhältnismäßig kleine Angriff auf Guadalcanal hatte ihre Reserven schwer beansprucht, und im Südpazfifik versuchte man, die Vorstöße Japans auf Neu-Guinea abzuwehren und den japanischen Nachschub ("Tokio-Express") zu stören. Im Westpazifik selbst geschah praktisch nichts. In Südostasien jedoch fiel Burma im Verlauf 1942/43 vollständig an die Japaner. Die Einflusssphäre des Kaiserreichs erstreckte sich damit von der indischen Grenze über ganz Indochina bis weit nach China, umfasste im Norden die Mandschurei, zahlreiche Inseln und Atolle östlich von Japan bis kurz vor Midway und große Teile Papua-Neuguineas im Süden. Nirgendwo jedoch waren die japanischen Siege endgültig genug gewesen, um das Land vollständig kontrollieren und die Truppen an anderen Schauplätzen nutzen zu können. Ähnlich dem deutschen Vormarsch in Osteuropa verflog die ursprüngliche Freude der Ansässigen über die "Befreiung" durch die Achsenmächte vom Joch der Kolonialherrschaft schnell. Obwohl die Japaner im Gegensatz zum Deutschen Reich wenigstens eine Propgandavision besaßen, mit der sie die Kooperation der Asiaten zu gewinnen hofften, zeigten sich allzuschnell die wahren Intentionen des Kaiserreichs. Die "großasiatische Wohlstandssphäre" enttarnte sich allerorten allzuschnell als schlecht getarnte Dominanz Japans, die den anderen Asiaten - rassisch minderwertig in ihren Augen - kaum mehr als eine Vasallenrolle zugestanden. Das zweifellos vorhandene Bündnispotential gegen die westlichen Kolonialmächte wurde so verschleudert.

Soldaten auf dem Bataan-Todesmarsch
Ein ungleich härteres Schicksal allerdings traf die zehntausenden alliierten Gefangenen, die den Japanern in Burma und Malaya in die Hände gefallen waren. Zusammengebunden und kaum mit Nahrungsmittel, Medizin und Wasser versorgt wurden sie auf eine mehrere hundert Kilometer lange Strecke durch den Dschungel in die Gefangenenlager getrieben (Bataan-Todesmarsch) und zur Zwangsarbeit unter katastrophalen Bedingungen etwa beim Bau einer Brücke über den Kwai eingesetzt. Tausende von Soldaten starben bereits auf dem Marsch, noch viel mehr bei der folgenden Zwangsarbeit und in den Lagern. In der Vorstellungswelt des japanischen Militärs gab es kaum ein schlimmeres Schicksal als die Niederlage, die eigentlich nur mit dem Tod beantwortet werden konnte. Die Kapitulation galt als schändlich, und dass die Alliierten sie in so großer Zahl unternommen hatten zeigte in den Augen der Japaner nur einmal mehr ihre rassische Unterlegenheit. Einer vernünftigen Behandlung wert waren die Gefangenen den Japanern jedenfalls keine Sekunde, die sich selbst nur äußerst selten ergaben und selbst dann noch häufig Flucht- und Selbstmordversuche unternahmen. Mehrere japanische Kommandeure würden dafür nach Kriegsende wegen Kriegsverbrechen hingerichtet werden. Ein schlimmes Schicksal traf auch viele besonders chinesische und koreanische Frauen: diese wurden als Zwangsprostituierte zur Befriedigung der Gelüste der japanischen Soldaten eingesetzt, unter der euphemistischen Bezeichnung "Trostfrauen" (comfort women). Sie gehören zu den vielen Opfern der japanischen Aggression, denen Anerkennung bis heute verwehrt geblieben ist.

Im Verlauf des Jahres 1943 bauten die Amerikaner ihre Streitkräfte deutlich aus. Zahlreiche neue Schiffe wurden in Dienst gestellt, Flugzeuge gebaut, Piloten trainiert, Marines ausgebildet und Landungsschiffe produziert. All dies konnte Japan nicht leisten. Seine Wirtschaft war nicht in der Lage, die erlittenen Verluste auszugleichen, und Trainingsprogramme für Piloten fehlten im benötigten Umfang. Es wurde offenkundig, dass die Initiative an die Amerikaner übergegangen war. Diese arbeiteten an einer Strategie zur Niederwerfung Japans, die aus mehreren Gründen schwierig war (und ein schwerwiegender Grund für die Konzentration auf Deutschland als wichtigstem Kriegsgegner war). Um gegen Japan vorgehen zu können, benötigte man Luftbasen, von denen aus die Flugzeuge operieren und die Flotte sowie Landeooperationen und Nachschub abschirmen konnten. Die japanischen Nachschublinien wurden durch exzessive U-Boot-Operationen gestört, die den USA wegen der vollen Funktionsfähigkeit der amerikanischen U-Boot-Werften keine Probleme machten (obgleich die oft versagenden Torpedos die Effizienz deutlich minderten). Die U-Boote störten die ohnehin schwierige Treibstoffversorgung der japanischen Flotte und schränkten deren Bewegungsraum so massiv ein. Um Luftbasen zu erhalten und die japanischen auszuschalten, musste man allerdings zahllose kleine Inseln und Atolle erobern. 

Marines auf Iwo Jima 1945
Das war auch Japan klar. Im Glauben daran, dass die Amerikaner bei zu starkem Widerstand kneifen und aufgeben würden, weil eine Demokratie nicht im gleichen Ausmaß Verluste ertragen könne wie eine kollektiv organisierte Gesellschaft japanischen Zuschnitts befestigte man die Inseln so stark wie möglich und machte sie gleichzeitig weitgehend autark, da man sich keine Illusionen über die Fähigkeit zur Versorgung dieser Basen bei einem amerikanischen Angriff machte. So sollten die US-Verluste bei jeder Insel gewaltig sein und auf diese Art die Amerikaner zu Konzessionen zwingen und so einen Siegfrieden ermöglichen, bei dem Japan einen Gutteil seiner südasiatischen Eroberungen behalten konnte. Einige als strategisch wichtig eingeschätzte Inseln wurden zu gewaltigen Festungen ausgebaut, die einzunehmen tatsächlich einen gewaltigen Blutzoll erfordern würde. Die japanische Strategie nahm bewusst den Totalverlust der Garnisonen und damit deutlich höhere Verluste als der Amerikaner in Kauf, weil man der Überzeugung war, sich diese Verluste leisten zu können. Während die Rückeroberung Neu-Guineas zwar hart, aber mit Manövrierspielraum verlief, galt dies für die strategisch wichtige Insel Tarawa nicht mehr. Im November 1943 wurde die japanische Strategie zum ersten mal bei der amerikanischen Einnahme von Tarawa auf die Probe gestellt. Die Marines erlitten beim Erstürmen des Strandes schwere Verluste, die - ungewöhnlicherweise - in Bild und Film auch der amerikanischen Öffentlichkeit gezeigt wurden. Wenn die Japaner nach Tarawa allerdings auf ein Einstellen amerikanischer Operationen gehofft hatten, so täuschten sie sich. Die Schlacht gab der amerikanischen Militärführung vielmehr wertvolle Erfahrungen, die bei weiteren Operationen angewendet werden konnten. 

Die beeindruckendste Leistung der USA aber fand abseits des Schlachtfelds statt. Man muss sich bewusst machen, dass zum Zeitpunkt der Eroberung Tarawas und der Vorbereitung des "Inselspringens" 1944 die Vorbereitungen in Europa zur Landung in Frankreich und Niederwerfung Deutschlands auf vollen Touren liefen. Während weder Japan noch Deutschland in der Lage waren, auch nur annähernd mit der amerikanischen Breitenrüstung auf ihrem jeweiligen Kriegsschauplatz mitzuhalten und die materielle und personelle Überlegenheit der Alliierten täglich wuchs, rüsteten die USA ihre Gegner nicht nur an zwei Kriegsschauplätzen gleichzeitig nieder und führten eigene Offensiven durch - Nordafrika und Italien in Europa und Guadalcanal und Tarawa im Pazifik jeweils 1942/43 - sondern hielten gleichzeitig eine Wirtschaft in den Vereinigten Staaten selbst aktiv, die der Bevölkerung ein weitgehendes Halten des eigenen Lebensstandards ermöglichte und schickten Rüstungsgüter in beträchtlichen Ausmaß an die Briten und Sowjets, die ohne die amerikanischen Lieferungen kaum so operationsfähig gewesen wären wie sie waren. Nicht nur ersetzten die USA ihre Verluste beständig, sie erweiterten ihre Kapazitäten auch ausdauernd und brillierten in der Aufgabe, ihre Streitkräfte auch unter den widrigen Umständen des Pazifikkriegs mit allem Notwendigen und darüber hinaus diversen Luxusgütern zu versorgen. Lediglich zu Beginn des Pazifikkrieges, auf Guadalcanal, setzte die Versorgung kurzzeitig aus. Bereits wenige Wochen später jedoch konnten die Marines ungeöffnete Konserven zum Ausbessern von Bombenkratern verwenden, so reichhaltig war die Versorgung, während die Reisrationen der japanischen Soldaten schon in nicht umkämpften Basen kaum das Existenzminimum erreichten und in Deutschland die Versorgung von Armee und Bevölkerung nur durch exzessives Plündern Osteuropas und den forcierten Hungertod von Millionen möglich war. Es war objektiv unmöglich, die USA zu besiegen, sofern diese nicht von selbst den Kampf einstellten, weil die Kosten zu hoch wurden - eine in einer Demokratie, die selbst in Kriegszeiten regelmäßige Wahlen abhält durchaus mögliche Entwicklung. Entgegen der japanischen Voraussagen war allerdings auch nach Tarawa bis weit nach 1944 hinein keine Kriegsmüdigkeit bei den Amerikanern zu erkennen. Die Siege in Europa und bei den Seeschlachten im Pazifik verstärkten viel mehr den Siegeswillen noch mehr.

Amerikanischer Marine rettet japanisches Baby
Da den amerikanischen Planern all das stets bewusst war, verlegten sie sich beim "Inselspringen" im Pazifik darauf, die stärksten japanischen Außenposten einfach zu isolieren und nicht zu erobern. Die Überlegenheit zu Luft und Wasser erlaubte es ihnen, dies relativ gefahrlos zu tun - tausende von japanischen Soldaten saßen somit plötzlich nutzlos auf felsigen Eilanden im Pazifik, ohne dass die Japaner die Möglichkeit hatten, sie zu evakuieren oder anderweitig zu verwenden. Die Amerikaner beschlossen statt der Eroberung japanischer Flugplätze einfach selbst welche anzulegen. Das erste große Ziel sollte dabei Saipan sein, eine nach dem Ersten Weltkrieg von Japan annektierte Insel, die zum eigentlichen japanischen Herrschaftsgebiet zählte. Von hier aus würden die amerikanischen B-29 Bomber Tokio erreichen können. Auf Saipan lebte eine starke japanische Bevölkerungsgruppe von etwa 25.000 Menschen, denen die japanische Regierung mit massiver Propaganda eintrichterte, dass die Amerikaner sie im Falle eines Sieges alle auf grausamste Art und Weise töten würden. Die Zivilisten halfen den Soldaten beim Ausbau von Verteidigungsstellungen, durften diese aber nicht benutzen und wurden auch nicht gewarnt, als die US Navy das Bombardement der Insel begann. Nach blutigen Kämpfen wurde der japanische Widerstand gebrochen (auch dank der Ziellenkung der Schiffsartillerie auf die Verteidigungsstellungen durch die berühmten Najavo-"Windtalkers", Indianer, die den US-Funkverkehr abhörsicher abwickelten) und die Insel erobert. Tausende von Zivilisten stürzten sich vor den anmarschierenden Amerikanern in blindem Glauben an deren Grausamkeit von den Klippen oder begingen anderweitig Selbstmord. Die Marines wurden durch dieses Verhalten zutiefst verstört. Die Opferbereitschaft selbst der japanischen Zivilisten, die auf Saipan sichtbar wurde, ließ die Aussichten auf eine Invasion des eigentlichen japanischen Kernlandes in äußerst düsterem Licht erscheinen.

Direkt im Anschluss an die Schlacht um Saipan fand in der philippinischen See die gleichnamige Seeschlacht statt, bei der die japanische Flotte endgültig ausgeschaltet wurde. Die Japaner attackierten die amerikanische Flotte, die bei Saipan engagiert war, in der Hoffnung sie überraschen und ihr so einen vernichtenden Schlag beifügen zu können. Diese Strategie war eine Wiederholung Pearl Harbors und war bereits Mitte 1942 bei Midway gescheitert, als die amerikanischen Nachrichtendienstler die Codes knackten und so die japanische Falle mit einer eigenen beantworteten. Auch in der philippinischen See scheiterte die intendierte Überraschung. Was folgte, war die größte Schlacht zwischen Flugzeugträgern, die je stattgefunden hat. Die Ausgangssituation war äußerst assymetrisch: die USA verfügten nicht nur über mehr Schiffe, sondern besaßen außerdem mit der F6F "Hellcat"  modernere Flugzeuge und hatten besser trainierte und erfahrenere Crews und Piloten. Die japanischen Verluste waren mörderisch. Die Schlacht wurde von den Amerikanern später "Great Marianas Turkey Shoot" genannt (etwa: großes Abschlachten bei den Marianen). Nach dieser Seeschlacht war die japanische Marine effektiv handlungsunfähig. 

Tote Japaner nach einem Banzai-Angriff
Der Krieg war spätestens mit der Schlacht in der Philippinensee entschieden. Die Japaner besaßen weder eine funktionsfähige Luftwaffe, noch eine schlagkräftige Flotte, so dass die Amerikaner nach Belieben im Pazifik operieren konnte. Dies hatte verheerende Auswirkungen auf den Nachschub: die ohnehin stets angespannte Lage, die ja überhaupt zum Krieg geführt hatte, wurde durch die praktische Kontrolle der US Navy weiter verschlimmert. In Burma hatte die alliierte Gegenoffensive begonnen, und die chinesische Front erwies sich ebenfalls als instabil. Die Hoffnung, die Amerikaner zu einer Anerkennung wenigstens eines Teils der japanischen Eroberungen zu bringen und ihnen so einen Frieden abzutrotzen, war dahin. Die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und Japans, die auf der Konferenz von Teheran 1943 als Kriegsziel der Alliierten erhoben worden war, konnte für die Japaner nur das Ende der jahrhundertelangen Tradition des Kaisertums bedeuten. Das aber konnten sie nicht hinnehmen. Das Kriegsziel änderte sich nun: fortan ging es darum, den Amerikanern so starke Verluste zuzufügen, dass sie bereit wären, einen halbwegs annehmbaren Frieden zu schließen - notfalls, indem man sie im eigenen Land besiegte. Von den Soldaten und Zivilisten wurde dafür totale Opferbereitschaft erwartet: wenn die Munition zur Neige ging, sollten die Soldaten die Bajonette aufpflanzen und mit dem Schlachtruf "Banzai!" gegen den Feind stürmen. Ein solcher Angriff hatte zu den Bluffs vor Singapur gehört - vielleicht legten die Japaner deswegen solche Hoffnungen in die Wirkung der in der Praxis blutig-sinnlosen Sturmangriffe. 

Die Amerikaner ihrerseits bereiteten die Invasionen in der Folgezeit vor: Ende 1944 sollten die Philippinen zurückerobert werden, im Frühjahr 1945 die Insel Iwo Jima, im Frühsommer Okinawa (eine der Kerninseln Japans) und dann, Ende 1945 oder Anfang 1946, die japanischen Hauptinseln  selbst (Operation Downfall). In vorangegangenen Invasionen hatte sich herauskristallisiert, dass eine starke Artillerievorbereitung durch die Flotte sowie Bombardements aus der Luft die Landung deutlich erleichterten und die Verluste am Strand minimierten. Auf diese Art konnten einige Inseln relativ leicht eingenommen werden, ehe die Japaner dazu übergingen, den Strand kaum zu verteidigen und stattdessen im schwer zugänglichen Inselinneren Verteidigungsstellungen zu erreichten. So oder so war beiden Beteiligten klar, dass die heftigsten Kämpfe erst noch kommen würden.

Die Serie "Der Zweite Weltkrieg" besteht aus fünf Teilen:
Teil 1: Der Weg in den Krieg
Teil 2: Der europäische Kriegsschauplatz 1939-1941
Teil 3: Der pazifische Kriegsschauplatz von 1941-1944
Teil 4: Der europäische Kriegsschauplatz 1941-1944
Teil 5: Das Ende

Literatur:

Bildnachweise: 
Pearl Harbor - unbekannt (gemeinfrei)
Roosevelt - US government (gemeinfrei)
Plakat - US Office of War Information (gemeinfrei)
Japanische Schiffe - US Navy (gemeinfrei)
Singapur - unbekannt (gemeinfrei)
Midway - unbekannt (gemeinfrei)
Bataan - unbekannt (gemeinfrei)
Iwo Jima - USMC (gemeinfrei)
Saipan - Wolcott (gemeinfrei)
Tote nach Banzai - US Army (gemeinfrei)

Kommentare:

  1. Wie kriegt man das denn hin, über den Pazifikkrieg zu schreiben, ohne "comfort women" zu erwähnen?

    http://en.wikipedia.org/wiki/Comfort_women

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  2. Ging ganz einfach, ich hab sie schlicht vergessen. Danke für den Hinweis!

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  3. Hinsichtlich einer klaren Kriegsabsicht Roosevelts, die auf einen Krieg mit Japan und dadurch auch die Möglichkeit zum Kriegseintritt gegen Deutschland hingearbeitet hat sei das Buch des amerikanischen Kongreßabgeordneten Hamilton Fish "Der zerbrochene Mythos" zu empfehlen.

    Der Angriff auf Pearl Harbor war zuvor bekannt und wurde, bewusst in Kauf genommen, ebenso wurden Gesprächs- und Verhandlungsbemühungen Japans im Vorfeld ignoriert. Dies als wenig glaubhaft darzustellen, weil zuviele davon gewusst haben müssten, ist eine unzutreffende Behauptung, die durch die Fakten des o.g. Buches widerlegt wird.

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  4. In meinen Augen gibt es keinen klaren Beweis für eine Absicht gegenüber Pearl Harbor. Ich will gelten lassen, dass Roosevelt bereit war, es auf einen Krieg ankommen zu lassen - ganz ohne Zweifel sogar. Die Verhandlungslösung wäre ihm trotzdem lieber gewesen, und mit einem Überraschungsangriff WÄHREND der Verhandlungen und ausgerechnet auf das von Japan weit entfernte Hawai rechnete er sicherlich nicht.
    Ein Wissen der USA um den Angriff macht auch kaum Sinn: die im Artikel beschriebene Ausweitung des japanischen Reiches in der ersten Jahreshälfte 1942 ist dramatisch; die USA verloren wichtige Basen in den Philippinen, auf Guam und Wake. Es lag auch durchaus im Bereich des Möglichen, die Schlacht um Midway zu verlieren, oder viel schlimmere Verluste in der vorangegangenen Battle of the Coral Sea zu erleiden. In all diesen Fällen wäre Japan auf Jahre hinaus nicht nur nicht zu schlagen, sondern auch unangreifbar gewesen und hätte vielleicht sogar Hawai direkt bedrohen können. Ein solches Ergebnis wäre für die USA katastrophal gewesen. Und all das riskieren, nur um einen Kriegsgrund gegen Deutschland zu bekommen? Das macht überhaupt keinen Sinn. Verschwörungstheorien wie Pearl Harbor funktionieren stets nur mit der Gabe des Wissens darum, wie es später kam. Klar, wenn man das alles weiß hätte es vielleicht Sinn gemacht. Aber wissen konnte man es nicht, und die japanische Flotte galt als formidabler und zumindest gleichwertiger Gegner. Ich glaube nicht daran, dass Roosevelt oder die CIA oder sonstwer von Pearl Harbor wusste.

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  5. Okinawa ist sicherlich keine Hauptinseln von Japan, sondern schlichtweg eine Inselgruppe, die sich die Japaner im 19. Jahrhundert angeeignet haben.

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  6. Ist mir bereits vorher aufgefallen, habs inzwischen in "Kerninseln" geändert, das sollte eher passen :)

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  7. Eine Frage, die mir schon lange unter den Nägeln brennt:
    Haben die Erfahrungen mit der japanischen Opferbereitschaft, die sie beschrieben, als Rechtfertigung für die späteren Atombomben gediehnt?
    Und wenn mans ganz (nicht zynisch, aber emotionslos) betrachtet, haben die Atombomben nicht sogar viele Menschenleben gerettet, im Vergleich dazu, was passiert wäre, wenn man die Hauptinseln Japans hätte erobern müssen, wie man das auf Saipan und Iwo Jima und unzähligen anderen Inseln getan hatte?

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  8. Definitiv ja. Wird in "Das Ende" auch besprochen werden. So lange siehe hier:
    http://usaerklaert.wordpress.com/index-der-eintrage-nach-themen/
    Alle Artikel unter "Der Krieg gegen Japan".

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  9. Nach einer Niederlage bei Midway "wäre Japan auf Jahre hinaus nicht nur nicht zu schlagen, sondern auch unangreifbar gewesen"

    Nein - wohl eher nicht.
    Das Flottenbauprogrammm der USA lief schon seit Jahren, und trug ab 1943 seine Früchte.

    Japan wäre nicht in der Lage gewesen, eine transpazifische Invasion zu starten, selbst wenn es Midway eingenommen hätte. Die dortige Garnision hätte versorgt werden müssen, was die japanische Handesflotte noch weiter belastet hätte.

    Hawaii selbst hatte eine Garnision von mehrern 10.000 Mann, ein Gebiet groß genug, um die vorhandenen militärischen Mitteln sicher zu verteilen. Bomber konnten jederzeit nach Hawaii üerführt werden, genauso wie Seeaufklärer. Midway hingegen war klein und konnte nur eine kleine Zahl von Flugzeugen aufnehmen, die gegen Bombenangriffen nicht getarnt werden konnten. Für eine Invasion hätten die Japaner wiederum ihre Träger in der Nähe von Hawaii operieren lassen müssen und zwar nicht nur für ein paar Stunden, sondern ein paar Tage - mit den entsprechenden Verlusten. Binnen weniger Tage hätte es keine Flugzeuge mehr auf den Trägern gegeben. Zum Vergleich, über Midway verlor die erste und einzige Angriffswelle 10 Flugzeuge, knappe 10% der eingesetzten, weitere wurden beschädigt, daß sie nicht mehr einsatzbereit waren. Und auf Midway waren es hauptsächlich Buffalos, gegen radargeführte F4Fs und P40s über Hawaii wären die Verluste noch größer gewesen.

    Der einzige Effekt wäre gewesen, daß die USA 1942 nicht in Gudacanal gelandet wären und Port Moresby wohl nicht gehalten hätte werden können, somit Nordostaustralien in die Reichweite japanischer Bomber gelangt wäre - ein relativ dünn besiedelter Bereich.

    Im April 1943 hätte die US-Navy bereits r drei weitere schwere und drei leichte Flugzeugträger in Dienst gestellt, sowie eine Reihe von Geleitträgern, die zur Sicherung von Convoys hätten verwendet werden können oder sogar der Schlachtflotte.

    Bis September 1943 wären weitere zwei Flugzeugträger hinzugestoßen, sowie vier leichte, bis Dezember nochmal je zwei leichte und zwei schwere.

    Von der Ausbildung der Piloten und der Produktion der Flugzeuge will ich jetzt gar nicht sprechen - bei Midway hatten die Japaner bereits weniger Flugzeuge an Bord ihrer Träger als eigentlich vorgesehen war, weil man mit der Produktion nicht nach kam.

    Und der nächste große Flugzeugträger der Japaner wurde 1944 in Dienst gestellt.

    Manche Historiker behaupten sogar, daß mit einer Niederlage bei Midway der Krieg sogar schneller gewonnen worden wäre, weil dann das Torpedoproblem wohl schneller gelöst worden wäre, woran ich aber gewisse Zweifel hege...

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  10. Die Japaner wollten das Flugfeld ja auch nie einnehmen, sondern ausschalten. Wäre Midway nicht mehr nutzbar gewesen, dann hätte Japan nicht mehr auch nur entfernt in Reichweite von Flugzeugen gelegen. Zwar hast du natürlich Recht, was die Zahlen betrifft - allein, ob sich die Dinge so auch nach einer Niederlage bei Midway entwickelt hätten? Ich denke nicht, dass die Niederlage derart folgenlos gewesen wäre, schon allein deswegen nicht, weil ein Staatswesen wie die USA nicht unbegrenz Krieg ohne Resultate führen kann.

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  11. Die Landung war geplant - Yamamoto saß bei den Frachtern mit der Infantrie. Ob er die Insel worklich halten wolte, ist natürlich eine andere Frage. Ihm ging es ja nur darum, die US Navy in die entscheidende Schlacht zu zwingen. Leider waren die Amerikaner seinem "Fahrplan" ein wenig voraus. Mit etwas Glück hätte er die Schlacht gewinnen können. Dafür, daß die Amerikaner ziemlich genau wußten, was geplant war und wo der Feind war, haben sie erstmal so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Wenn man sich ansieht, wie koordiniert die Japaner die Flugzeuge von vier Trägern einsetzten, dann ist das Chaos, was bei den Flugoperationen der einzelnen US-Trägern herrschte, einfach nur erschreckend. Da flog jede Staffel für sich alleine und es war ein reiner Zufall, daß innerhalbvon 15 Minuten eine Staffel Torpedobomber angekrochen kam und zwei Stukastaffeln das Ziel erreichten. Zum Glück für die Amerikaner, hatten die Japaner kein Radar und kein vernünftiges Konzept für die Luftabwehr - die Jäger waren einfach mit einem Angriff aus drei Richtungen überfordert. Dazu noch ein paar falsche Designentscheidungen beim Bau der Flugzeugträger und das Unglück nahm seinen Lauf. Die 40 Tonnen Sprengstoff in den geschlossenen Hangars konnte man nicht einfach schnell ins Mehr werfen, als die Bomben die Brände auslösten. (Nebenbei bemerkt, Fuchida lügt, wenn er behauptet, die Japaner wären 5 Minuten vom Start des Gegenangriffes entfernt gewesen. Alle Bomber waren noch in den Hangars, ein Start wäre frühestens in 45 Minuten möglich gewesen...)

    Unbegrenzt Krieg ohne Resultate - darin sind die Amis recht gut - Korea, Vietnam, Irak, Afghanistan. Und ihre beiden Unabhägigkeitskriege liefen auch ähnlich ab. (Der große Sieg bei Yorktown kam nach vielen Fehlschägen und dem Verweigern einer entscheidenten Schlacht (Wie schreibt Joseph J. Ellis so schön in seiner Bio über George Washinton - paraphrasiert - "Washington erkannte sehr schnell, daß der einzige Weg den Krieg zu gewinnen ihn nicht zu verlieren war." Und einen Krieg aus der Position der Schwäche kann man sehr schnell in einer einzigen Schlacht verlieren.


    Und von den "kleinen gelben Schlitzaugen" vorgeführt zu werden, das stachelt erst recht an.

    Die Frage hier ist eher, ob sich die strategische Ausrichtung verändert hätte - weniger Europa, mehr Pazifik. Z.B. keine Landung in Nordafrika vor dem Frühjahr 1943, entsprechend später auch die Invasion in Italien; weniger Geleitträger im Atlantik, größere Verluste an Frachern durch die U-Boote, entsprechend weniger Nachschub an die UdSSR mit entsprechenden Folgen....

    Daß die Wildcat, besonders die mit den Faltflügeln, wie sie seit 1942 auf den Trägern eingesetzt wurde, ein zu schwaches Flugzeug war, war bekannt, und die Hellcat stand ja Ende 42 als Ersatz bereit, genauso wie der Avenger Torpedobomber - gut, nach Midway gab es ja kaum noch Exemplare des Vorgängermodels. (Saratoga und Wasp waren bereits umgestellt, Hornet und Enterprise gab es noch genau vier einsatzklare Exemplare.


    Es würde möglicherweise anders ausgesehen haben, wäre die Kriegserklärung wie geplant vor dem Angriff auf Pearl Habor zugesellt worden sein, dann hätte Japan einen Verhandlungsköder in Form der Philipinen auswerfen können. Mit dem British Empire wäre es nach einem Friedensschluß USA-Japan wohl fertig geworden, denn dieses wäre dann definitiv überfordert gewesen. Das war die Grundlage der japanischen Strategie - angeleht an die Erfahrungen von 1904/05. Bloß war der Plan bereits am 7. Dezember 1941 Makulatur.

    Und das ist der Punkt, wo ich ich immer einen Bösen Gedanken habe.... Was wäre, wenn Hitler klug gewesen wäre und einfach am 11. Dezember nicht den USA den Krieg erklärt hätte, oder genial, an diesem Tag Japan den Krieg erklärt hätte und England und den USA ein Bündnis angeboten hätte...

    Zum Glück(?) (ja, es lassen sich da noch andere, völlig absurde Konsequenzen ableiten) war er es nicht...

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  12. Zum Thema Midway:
    Die Schlacht endete mit einem entscheidenden US-Sieg, und die Grundlage dafür war bereits in der Korallensee gelegt worden - gänzlich unverdient war er also nicht. Er beruhte außerdem zum Großteil darauf, dass "Magic" den Code der Japaner geknackt hatte.

    Zum Thema Kontrafaktische Geschichte:
    Ich bin mir nicht sicher was du mit der "rechtzeitig zugestellen Kriegserklärung" meinst.
    Ansonsten: Ich denke nicht, dass eine Niederlage bei Midway die von dir beschrieben Folgen gehabt hätte. Schließlich haben sich die USA mit GB bereits auf "Germany first" verständigt gehabt.
    Und wie du auf die Idee kommst, dass dieses merkwürdige cauchement d'alliances hätte funktionieren sollen, das du im letzten Absatz entwirfst, kann ich nicht nachvollziehen.

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  13. Rechtzeitig zugestellte Kriegserklärung - Die Washingtoner Botschaft sollte die Kriegserklärung ein paar Stunden vor dem Angriff zustellen. Das hat sie nicht auf die Reihe gebracht. (Zu knapper Zeitplan)

    Es hätte auf alle Fälle die USA aus dem Krieg in Europa herausgehalten. Italien hat es schließlich auch erstmal vorgezogen, neutral zu bleiben. FDR zog in den 1940er Wahlkampf mit dem Versprechen, sich aus dem europäischem Krieg herauszuhalten. Nach dem Kriegsbeginn mit Japan und einem neutral bleibendem 3. Reich hätte er erstmal wenig Chancen gehabt, politisch im stärkerem Maße gegen das 3. Reich aktiv zu werden. Bei den verlußten, die die US-Army in den Philipinen bereits in den ersten Stunden erlitten hatte, wäre Militärhilfe an der "falschen" Front schlecht erklärbar gewesen.

    Ob im Falle einer Kriegserklärung des 3. Reiches an Japan Churchill und FDR auf ein Bündnisangebot eingegangen wären - gute Frage. Man sollte aber im Hinterkopf behalten, daß Stalin ebenfalls in Polen eingefallen ist und sich dort beide Besatzungsregime gegenüber der Bevölkerung gleich schlecht verhalten haben (wir sind noch vor der Endlösung, die erst nach der Kriegserklärung an die USA ernsthaft betrieben worden ist (ich will hier nichts beschönigen)). Und Churchill in Hitler den gefährlicheren Feind sah als in Stalin. Stalin mißtraute ja Churchill immer, wenn man sich Churchills militärische Planung ansieht, nicht ganz zu unrecht...
    Der springende Punkt wäre Polen gewesen, aber die haben ja auch gegen Stalin den kürzeren gezogen und waren der wirklich große Verlierer des Krieges.

    Aber derartige Überlegungen haben nibelungentreue, ideolgieverannte, Herrenrassenmitglieder wohl nie angestellt. Man tappte wie 1917 nochmal in die Produktivitätsfalle der USA.




    Zu Midway - dafür, daß man wußte, daß die Japaner kommen und die Stäbe die Anmarschrichtung der Flugzeugträger ziemlich genau voraus gesagt haben, ging danach erstmal alles schief. Daß die Stukas um 10:20 gemeinsam über den Trägern auftauchten, war reiner Zufall. Daß dem Angriff drei Träger zum Opfer fiehlen, ebenso. Die Akagi wurde von drei und nicht wie vorgeschrieben 12 Stukas angegriffen, von denen zwei Wirkungstreffer (einer neben dem Ruder, der andere im Hangar) erzielen konnten, und das auch nur deswegen, weil einem Piloten aufiehl, daß sich alle auf die Kaga stürzten. Das ganze sah zwar im Endergebnis nach perfekter Koordination aus, aber das war einfach nur Glück, genauso, daß die Hiryu ausgrechnet die größten Verkuste beim Angriff auf Midway erlitten hatte. Coral Sea war immer noch erstmal ein taktischer Sieg der Japaner, den diese aber wegen Inflexibilität nicht ausnützen konnten, weswegen er im Nachhinein zu einer Niederlage wurde. Strategisch gesehen hatten die USA ihr Ziel erreicht. Port Moresby blieb alliiert.

    Ob es im Falle einer Niederlage bei Midway beim Germany First so wie beschlossen geblieben wäre, darüber läßt sich streiten. Ich halte in dem Fall eine Verlegung der Ranger in den Pazifik bis zur Indienststellung der ersten Essex für möglich, was die Landung in Nordafrika um mindestens zwei Monate verzögert hätte.

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  14. Ich halte ein solches Bündnis nicht für realistisch. Weder Roosevelt noch Stalin haben aus ihrer Abneigung gegen Hitler je einen Hehl gemacht.

    Ich denke, es wäre bei Germany First geblieben, schon alleine, damit GB für den Pazifik frei wird (die Planungen für "Downfall" sahen ja auch die Teilnahme der Briten vor).

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  15. Ob man die USA dieses Bündnis angenommen hätten ? Sie hätten sich nicht der Tatsache verweigern können, daß da jemand an ihrer Seite kämpft, den sie eigentlich nicht da erwartet hätten und mit dem man bereits in Kampfhandlungen verwickelt war (USS Reuben James). Mehr als Neutralität wäre nicht heraus gekommen, aber es wäre innenpolitisch schlecht zu verkaufen gewesen, jetzt noch Waffen gegen ein Land zu liefern, daß einem ein Bündnis gegen ein anderes Land, das einen angegriffen hat, angeboten hat.

    Germany first wird von mir nicht bestritten, die Frage ist der Resourcenaufwand gegen das Dritte Reich für die zweite Hälfte 1942, was eben zu Verzögerungen für das Jahr 1943 geführt hätte. Auswirkungen auf die Invasion in der Normandie halte ich aber für unwahrscheinlich.

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  16. Ein solches Bündndnisangebot wäre, alle Moral zur Seite gelassen, realpolitisch bedeutungslos gewesen. Deutschland wäre niemals in der Lage gewesen, Japan zu bekämpfen, seine Kriegserklärung deswegen rein formal. Einen Vorteil hätten die USA daraus nicht gewonnen. Stattdessen aber hätte man den Deutschen wertvolle Zeit geschenkt, sich in Europa zu konsolidieren (wogegen die Japaner das von ihnen angestrebte Ziel ja bereits erreicht hatten). Nein, ein solches Bündnis oder auch nur Neutralität ist irreal.

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  17. Genau deswegen hätte man es anbieten müssen.

    So manches Kriegsziel wurde bisweilen eben doch geändert, genauso wie so manche Kooperation.

    Der Hitler-Stalin-Pakt war Anfang 1939 eine genauso irreale Vorstellung.

    Die Frage ist einfach die, wie hätte der Kongress darauf reagiert ?

    Wie hat Japan den Krieg Hitlers unterstützen können ? Operationsbasen für Hilfskreuzer - brachten einen geringen Effekt durch das benötigte Geleit für Konvois. Ein paar wenige Blokadebrecher mit Rohstoffen. Bindung von Zerstören im Pazifik - Schlacht im Atlantik ging nicht ganz so schnell verloren. Auf der anderen Seite, die ganze industrielle Macht der USA stand nun aktiv gegen das Dritte Reich.

    Und genau letzteres hätte Neutralität verhindert. Und um das zu erreichen das Bündnisangebot. Wenn das sogar noch angenommen worden wäre - Sechser im Lotto. Der Versuch wäre es wert gewesen.

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  18. Ich habe in meinen Artikeln mehrfach auf den für mich bedeutenden Punkt hingewiesen, dass Hitler nicht rational handelt. Er wollte ein Bündnis mit England, aber sicher nicht mit den USA. Er verachtete sie, hielt ihre Soldaten für minderwertig, ihren Kampfwillen für begrenzt. Seine Kriegsziele waren ideologischer Natur, seine strategischen Entscheidungen bisweilen kaum nachvollziehbar. Haffner ging sogar so weit zu behaupten, dass die Kriegserklärung an die USA eine Art Abbrechen aller Brücken war - aber das setzte schon wieder eine solch verquere Rationalität voraus, dass ich daran nur bedingt glaube.

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