Sonntag, 24. April 2011

Der Zweite Weltkrieg, Teil 5/5: Das Ende

Von Stefan Sasse

Sowjetische Soldaten vor dem Brandenburger Tor, 1945
Im Sommer 1944 war die militärische Lage für das Deutsche Reich nicht mehr zu retten. Die Alliierten hatten einen starken Brückenkopf in der Normandie errichtet und bereiteten sich darauf vor, aus diesem heraus auszubrechen und in Richtung Seine vorzustoßen. In Mittelitalien machte sich eine kleine Streitmacht auf, in Südfrankreich einzufallen und den deutschen Verbänden in den Rücken zu stoßen. Im Osten hatte die Heeresgruppe Mitte zu existieren aufgehört und war die Rote Armee über 300km vorgestoßen, um erst kurz vor Warschau zum Stillstand zu kommen. Kein deutscher Soldat stand mehr auf sowjetischem Boden. Der Ausstoß der alliierten wie der sowjetischen Kriegsmaschinerie überstieg die deutsche Produktion um ein vielfaches. Man konnte nur noch hoffen, das Ende hinauszuzögern - an einen Sieg konnte eigentlich niemand mehr glauben. Allein, ein Hinauszögern der Niederlage ist militärisch eigentlich nur legitim, wenn man sich daraus irgendwelche politischen Vorteile erhofft (wie Finnland das beispielsweise tat, das nach "Bagration" mit Abschluss eines Friedensvertrags mit der Sowjetunion wartete, bis diese günstigere Bedingungen anbot). Damit aber war kaum zu rechnen: die Alliierten hatten sich mit der Sowjetunion in Teheran bereits 1943 auf die bedingungslose Kapitulation Deutschlands als Kriegsziel verständigt. Hitler lag richtig, wenn er die Allianz der westlichen, marktwirtschaftlichen Demokratien und der östlichen, sozialistischen Diktatur für unnatürlich hielt. Nur war er der entscheidende Kitt, der sie zusammenhielt. Solange Hitler kämpfte, würden die Alliierten kämpfen. Und Hitler war nicht bereit, vom Kampf bis zum bitteren Ende abzuweichen. Er wünschte ein Ende in den Ruinen der "Fronthauptstadt Berlin", ein Ende von wagnerischer Dimension, und genau das sollte er auch bekommen. 

Im Sommer 1944 freilich war für Hitler noch genügend Raum, sich in militärische Fantasien zu flüchten. Als die alliierten Streitkräfte aus dem Brückenkopf der Normandie auszubrechen begannen, befahl er Kräfte für eine Gegenoffensive zusammenzuziehen. Zehn Panzerdivisionen und zahlreiche Infanterie wurde eingesetzt, um eine etwa gleichstarke alliierte Streitmacht anzugreifen und entscheidend zu schlagen. Nach Kursk wurde das Hinterland der Normandie für einige Wochen zum Schauplatz einer der größten Panzerschlachten des Krieges. Wo jedoch 1940 unter dem Ansturm der deutschen Panzer jeder Widerstand gebrochen worden war, kannte man die Strategie inzwischen. Der deutsche Vorstoß fraß sich fest, die Amerikaner gingen zum Gegenangriff über. Im Herbst war das Westheer kaum mehr ein Schatten seiner selbst, das beim Versuch scheiterte, an der Seine eine neue Verteidigungsstellung zu errichten und seinen Rückzug erst am Rhein stoppen konnte. Die Geschwindigkeit des alliierten Vormarschs wurde mehr vom Vorhandensein ihres Nachschubs denn vom Grad des deutschen Widerstands bestimmt, der, wo man ihn antraf, meist aus der Luft niedergekämpft werden konnte. 

Rückzug deutscher Truppen im Osten, 1944
Im Osten war der Vormarsch von Stalins Armeen im Norden kurz vor Warschau und im Süden an der ungarischen Grenze zum Stillstand gekommen. Die Erfolge von "Bagration" hatten Hitler nicht nur der rumänischen Ölfelder beraubt, auf die das Reich angewiesen war, sondern auch sein Allianzsystem auf dem Balkan zestört. Rumänien, Bulgarien und Ungarn fielen von ihm ab und wechselten die Seiten. Finnland schloss einen Sonderfrieden mit Stalin. An dieser Stelle hielt die Rote Armee inne. Die polnische Heimatarmee, eine Art Untergrundvereinigung, hoffte die Befreiung der Hauptstadt aus eigener Kraft erreichen zu können und die Russen als Entsatz begrüßen zu können, anstatt sich von ihnen, die sie 1939 noch angegriffen hatten, "befreien" lassen zu müssen. Doch die erhoffte Unterstützung kam nicht, und die Wehrmacht schlug den Aufstand blutig nieder. Ob Stalin absichtlich zusah oder tatsächlich nicht vorrücken könnte ist nicht vollständig zu klären; zweifellos aber unternahm er zur Rettung der Exilpolen kaum merkliche Anstrengungen, denn die Antipathie der Polen beruhte durchaus auf Gegenseitigkeit. 

Ende 1944, ein halbes Jahr nach der Landung der Alliierten in der Normandie und der sowjetischen Sommeroffensive, war ganz Frankreich befreit worden, praktisch ganz Südosteuropa unter sowjetische Kontrolle geraten, halb Polen der Wehrmacht entrissen und praktisch jeder Verbündete abgefallen. Bei Aachen standen die Amerikaner sogar bereits auf deutschem Boden; der Rhein bildete nach Westen hin die letzte Verteidigungslinie. In Ostpreußen und Schlesien begann das große Flüchtlingsdrama: die Deutschen der Ostgebiete begannen ihre Flucht vor der heranrollenden sowjetischen Armee. Mehr als eine Million Menschen sollten auf dieser Flucht nach Westen ihr Leben verlieren, und niemand von ihnen würde je in ihre Heimat zurückkehren. Für kitschige Verklärungen dieser Zeit, wie sie von Revisionisten auf dem Regisseursessel nach Marke von "Die Flucht" inszeniert wird, ist allerdings kaum Platz. Der Krieg, der klar von Deutschland ausgegangen war, fand seinen Weg zurück. Recht wird dadurch nicht Unrecht. Aber von sowjetischen Massenerschießungen im eroberten Hinterland des Feindes hört man nichts. Letztlich erlitten die Deutschen ein milderes Schicksal, als sie nach den Gräueltaten von Wehrmacht und SS im Osten und von der Hetzpropaganda der Roten Armee erwarten konnten - obgleich die Flucht und Vertreibung die wohl größte humanitäre Katastrophe nach den Konzentrationslagern und den osteuropäischen Hungerkatastrophen darstellt, die in Europa stattfand. 

Hitler 1942
Es ist an dieser Stelle unumgänglich, sich mit Hitler zu befassen. Vielleicht konnte man sich im Sommer 1944 noch selbst belügen und an einen Sieg hoffen. Im Spätherbst aber, als die Grenzen des Reiches im Westen und Osten überschritten wurden, ist dies eigentlich kaum mehr möglich. Eine Verzögerung des alliierten Vormarsches, vielleicht sogar taktische Siege, waren weiterhin möglich. Vielleicht würde man Teile Deutschlands bis 1946 halten können. Aber zu welchem Zweck? Die traditionelle Militärgeschichte geht in die Irre, wenn sie die Aktionen des Dritten Reiches im letzten Jahr seiner Existenz auf strategische Rationalitäten hin untersucht. Sicher, die Ardennenoffensive verfolgte das offizielle Ziel eines Vorstoßes nach Antwerpen und der Einschließung der alliierten Streitkräfte, und natürlich, die "Festungen" sollten russische Kräfte binden. Letztlich aber war der Krieg eindeutig verloren. Für Hitler jedoch war es nicht Krieg. Es war das Ringen in einem weltanschaulichen Kampf, in dem es nur einen Sieger und einen vernichteten Verlierer geben konnte. Ein Verlierer - die Deutschen - war absehbar. Nach Hitlers Willen brauchte es aber einen weiteren, das "internationale Judentum". Die dafür benutzten Vernichtungslager standen größtenteils auf polnischem Boden. Hitlers Hinhalten im Osten sorgte dafür, dass die jüdische Bevölkerung praktisch vollständig vernichtet werden konnte. Als er die Ardennenoffensive im Westen startete, war dieser Teil seines Weltanschauungskrieges abgeschlossen. Jetzt musste er nur noch die Hoffnungen derjenigen Deutschen zuschanden machen, die auf eine "einfache" Kapitulation gegenüber den Westmächten hofften. Die Ardennenoffensive hielt die Westmächte lange genug von den deutschen Grenzen ab, um den Sowjets den entscheidenden Durchbruch zu erlauben (auch wenn das irrelevant gewesen wäre. Die Ereignisse 1945 zeigen, dass die Westalliierten sich an die Absprachen halten würden). Es brauchte danach nur noch den eigenen Untergang zu inszenieren, für den ihm das deutsche Volk, über 80 Millionen Köpfe stark, nur noch als Kulisse herhielt. 

Im Pazifik hatte indessen die Schlacht im Leyte-Golf und damit der Angriff auf die Philippinen begonnen. Bei Leyte trafen die US Navy und die japanische Marine zum letzten Gefecht des Krieges aufeinander. Trotz massiven Einsatzes von Kamikaze-Fliegern war der Ausgang eindeutig: die japanische Flotte hatte nach der Schlacht effektiv zu existieren aufgehört; vier Flugzeugträger, drei Schlachtschiffe und zahlreiche Begleitschiffe waren gesunken. Die Landung auf Leyte selbst war die größte bis dato unternommene amphibische Landung des Krieges. Die ohnehin bereits prekäre japanische Versorgungslage, die durch Angriffe amerikanischer U-Boote schwer bedrängt worden war, geriet damit endgültig an den Rand des Untergangs. Langsam, aber sicher schnürten die USA Japan die Luft ab. Die Versorgung mit Öl, Gummi und anderen Rohstoffen, die eine technisch fortgeschrittene Kriegführung benötigte, brach praktisch zusammen. Alles was Japan jetzt noch tun konnte war die Verteidigung des existierenden besetzten Landes mit Kanonen und Infanterie. Zwei solcher Festungen lagen auf dem Weg ins japanische Herzland, einen Gutteil der bestehenden anderen hatte man einfach umgangen: Iwo Jima und Okinawa. 

US Infanteristen auf Leyte
Im Pazifikkrieg beherrschte deutlich mehr eine militärische Rationalität das Geschehen als in Europa. Die Japaner hatten den Krieg aus vergleichsweise rationalen Überlegungen begonnen, und ihr Aushalten diente einem bestimmten Zweck: sie wollten Friedensbedingungen, die ihnen akzeptabel waren und die die "Ehre" Japans intakt ließen. Das heißt, die Erhaltung des Kaisertums. Man kann sich darüber streiten, in wiefern "Ehre" rational ist. Es handelte sich in jedem Fall um ein Ziel, dem sich erhebliche Teile der japanischen Bevölkerung anschließen konnten und anschlossen, im Gegensatz zu der leeren Hülle wagnerianischer Untergangsphantasien, die im Führerbunker Berlins umgingen. Die Schlussfolgerung über die Methoden, die zur Erhaltung des imperialen Systems und der japanischen "Ehre" gezogen wurden, waren dagegen radikal: die Rationen der Japaner wurden unter die lebenserhaltenden 1500 Kalorien täglich gesenkt, Stellungen wurden gebaut und primitive Waffen gebastelt und ausgegeben. Für die im Herbst erwartete US-Invasion wurden derart 800.000 Verteidiger aufgeboten. In den meisten Inselkämpfen waren bisher etwa zwischen 20.000 und 70.000 Verteidiger zu überwinden gewesen. Die für eine Invasion Japans notwendige Landung musste also ein Ausmaß annehmen, das die amerikanischen Planer schwindeln ließ.

Eine Kostprobe gaben die Invasionen auf Iwo Jima und Okinawa. Beide waren wegen ihrer strategischen Lage als Bomberflugplätze enorm wichtig. Auf beiden Inseln hatten die Japaner entschieden, die amerikanische Landungsstrategie zu durchkreuzen und die Strände nicht zu verteidigen, um stattdessen Stellungen im Landesinneren, die nicht so leicht von der Schiffsartillerie bombardiert werden konnten zu halten. Die amerikanischen Verluste überstiegen auf Iwo Jima zum ersten und einzigen Mal im Pazifikkrieg die japanischen. Bei der Landung auf Okinawa sorgten die japanischen Kamikaze-Angriffe, die in einer bis dato unbekannten Intensität durchgeführt wurden, für schwere Verluste unter den amerikanischen Schiffen (dass sie nur aufgrund der akuten Benzinknappheit geflogen wurden, war den meisten Amerikanern damals nicht klar). Die Verlustraten der US-Soldaten überstiegen in beiden Schlachten die 10%-Marke. Als Daumenregel ging man im US-Militär davon aus, dass Verluste von über 5% unakzeptabel waren. Die Aussichten für eine Landung auf Japan waren also düster.

Kapitulation der "Festung" Breslau, Mai 1945
Während die Kämpfe um Okinawa gerade begannen, endete der Krieg in Europa. Die Rote Armee war in einer unaufhaltsamen Walze durch Ostpreußen gerollt, direkt auf die Oder zu, umzingelte die großen Städte - die Hitler zu "Festungen" erklärt und deren Halten bis zum letzten Mann er befohlen hatte - und vernichtete die Einheiten der Wehrmacht, die sich ihr in den Weg stellten, etwa in der blutigen Schlacht auf den Seelower Höhen, wo unter furchtbarsten Bedingungen immerhin für drei Tage der Vormarsch aufgehalten werden konnte. Im Süden eroberte die Rote Armee Ungarn und stieß nach Österreich hinein vor. Die Wehrmacht alleine aber war nicht mehr fähig, genügend Männer in den Weg der Roten Armee zu stellen. Hitler hatte deswegen die Aufstellung des "Volkssturms" befohlen, in den alle Männer eingezogen wurden, die zu jung oder zu alt für den Dienst in der Wehrmacht waren. Kaum ausgebildet und unzureichend bewaffnet fielen sie zwar zu zehntausenden, konnten aber das militärische Geschick des Reiches verständlicherweise auch nicht mehr wenden. Der Verdacht liegt nahe, dass der Volkssturm letztlich nur den Scheiterhaufen vergrößern sollte, auf dem Hitler unterzugehen gedachte. Das Kommando hatte Heinrich Himmler, der von militärischen Dingen keinen blassen Dunst hatte, und später Joseph Goebbels, für den das Gleiche galt.

Als die Rote Armee im April direkt auf Berlin vorstieß, hatte die Stunde geschlagen. Hitler hatte noch einmal rund 300.000 Verteidiger gegen die fast drei Millionen Rotarmisten herangezogen und Berlin zur "Festung" erklärt, mit katastrophalen Folgen für die Zivilbevölkerung, die in der Schlacht gefangen und praktisch nicht versorgt war. Die Sowjets wussten, dass die Schlacht verlustreich werden würde - die Straßen und Gebäude Berlins gaben exzellente Verteidigungspositionen ab - und gingen kein Risiko ein. Massives Artilleriebombardement ging jedem Vorstoß voraus. Stück für Stück versank Berlin in Trümmern. Als die Rotarmisten schließlich, trotzdem furchtbare Verluste erlitten habend, endlich auf wenige hundert Meter an Hitlers Bunker unter der Reichskanzlei herangekommen waren, beging der Diktator Selbstmord und stahl sich mit einem leichten Tod aus der Verantwortung und dem Leid, das er angerichtet hatte. Es war nur konsequent, dass die Kapitulationserklärung der Berliner Streitkräfte aussagte, er habe Soldaten und Volk im Stich gelassen.

Die "Großen Drei" in Jalta
Mit dem Fall Berlins waren die Kämpfe um Deutschland effektiv vorbei. Wenige Tage später wurde die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet. Das Land wurde in drei, später vier, Besatzungszonen aufgeteilt. Der Verlauf dieser Besatzungszonen war im Februar auf der letzten großen Kriegskonferenz festgelegt worden. In Jalta auf der Krim, wohin Stalins unnachgiebige Diplomatie das Treffen verlegt hatte, spielte der sowjetische Diktator seine Trümpfe voll aus. Praktisch ganz Osteuropa fiel seinem Einfluss zu. Die Rote Armee hatte bei ihrem Vormarsch ohnehin in den "befreiten" Ländern Marionettenregime nach kommunistischem Zuschnitt errichtet. Deutschland sollte seine Staatlichkeit verlieren und würde Reparationen leisten müssen, die aus allen vier Besatzungszonen genommen werden würden (bereits kurz nach dem Krieg würden sich die Alliierten wegen dieser Frage entzweien). Für Roosevelt war in dieser Situation am Wichtigsten, dass Russland sich verpflichtete, in den Krieg gegen Japan einzugreifen. Dafür war er in Europa zu weitgehenden Zugeständnissen bereit. Vertragsgemäß verlegte Stalin auch kurz nach dem Sieg Truppen an die Grenze zur japanisch besetzten Mandschurei.

Japan klammerte sich zu diesem Zeitpunkt noch an die Hoffnung, dass Stalin als Friedensvermittler mit den USA auftreten könnte. Dieser gab eigentlich wenig Anlass zu dieser Hoffnung, jedoch klammerte sich die japanische Militärführung an jeden Strohhalm. Im Frühsommer fand die amerikanische Einnahme von Okinawa ihren Abschluss. Die US-Führung stand nun vor einem Dilemma: wie sollte man die Japaner zur Kapitulation bewegen? Eine Invasion der Hauptinseln war ein äußerst unangenehmes Szenario, und das Kriegsministerium hatte eine Schätzung angefertigt (die ihren Weg in die Öffentlichkeit fand), dass dies bis zu einer Million Toten auf amerikanischer Seite kosten konnte. Diese Schätzung war maßlos übertrieben, aber sie traf einen Nerv. Die Amerikaner verlegten sich deswegen auf das strategische Bombardement, das seit der Einnahme Saipans 1944 an Intensität das deutsche bei weitem überstieg. Die japanischen Städte waren eng gebaut, größtenteils aus Holz und dicht bevölkert. Die "Feuerstürme", die amerikanische Brandbomben entfachten, hatten einen verheerenden Effekt. Starben im berühmten Feuersturm von Dresden etwa 30.000 Einwohner, so fielen alleine einem Bombardement Tokios 100.000 Einwohner zum Opfer - die höchste Opferzahl eines konventionellen Bombardements in der Geschichte, sie sogar die Toten von Hiroshima überstieg. Die Bevölkerung war durch diese Terrorangriffe im Sommer 1945 in ihrer Moral deutlich stärker erschüttert als es die deutsche je gewesen war. Zudem erkannten die Militärplaner der Air Force in dieser Zeit, welche Rolle die Bombardierung der Eisenbahnnetze spielte, und legten damit die ohnehin bereits durch die Flächenbombardements schwer getroffene Kriegswirtschaft Japans fast vollständig lahm.

Atombombenexplosion in Hiroshima
Die Hoffnungen des US-Präsidenten Truman (Roosevelt war im April kurz vor Hitler an einer Hirnblutung gestorben) richteten sich auf eine neue Waffe, an der die USA und Großbritannien seit 1943 verstärkt arbeiteten: der Atombombe. Man hoffte, durch ihren Einsatz Japan zur Kapitulation zwingen zu können. Im August 1945 wurde eine Bombe über Hiroshima abgeworfen, pulverisierte das Stadtzentrum und tötete rund 80.000 Menschen. Einige Tage später fiel eine zweite Bombe auf Nagasaki und tötete rund 40.000 Menschen. Es war offensichtlich, dass die japanische Regierung dieser Waffe nichts entgegenzusetzen hatte. Innerhalb des Kabinettes kam es zu einem entscheidenden Streit, in dem die "Falken" abgesetzt wurden. Inzwischen hatte die Rote Armee die Mandschurei angegriffen und die dortigen japanischen Verbände, die wegen Benzinmangels kaum beweglich waren, eingekesselt und vernichtet. Die Festlandsbesitzungen Japans waren damit praktisch ebenfalls gefallen. In einem unpräzidierten Ereignis wandte sich der japanische Kaiser direkt an sein Volk und verkündete die Kapitulation, das Wort selbst blumig umschreibend vermeidend. Am 2. September endete der Zweite Weltkrieg. Die Welt hielt für wenige Wochen den Atem an.

Dann, während die Siegermächte noch die Verwaltung Deutschlands und Japans organisierten, wo praktisch die komplette Bevölkerung durch den Ausfall des Staates und aller Infrastruktur versorgt werden musste, brachen neue Konflikte aus oder wurden fortgeführt. In Griechenland tobte ein Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Konservativen. In Indochina kämpften einheimische Unabhängigkeitsbewegungen, die vorher auf die Japaner geschossen hatten, nun gegen die zurückkehrenden europäischen Besatzungsmächte (die perverserweise japanische Gefangene wiederbewaffneten und zum Kampf einsetzten). Und im Nahen Osten war Großbritannien trotz der Stationierung von letztlich über 80.000 Soldaten unfähig, die eskalierenden Feindseligkeiten zwischen Juden und Arabern unter dem Deckel zu halten. Für Deutschland, Japan, die Sowjetunion und die Alliierten jedoch war der Krieg, der bereits während seines Ganges als "Zweiter Weltkrieg" bezeichnet wurde, zu Ende. Es war bis heute das letzte Mal, dass industrialisierte Mächte mit den Mitteln konventioneller Kriegführung gegeneinander standen.

Deutsche Flüchtlinge, 1945
Es war ein unnützer, unzeitgemäßer Krieg gewesen. Angezettelt worden war er von den Verlierern des Ersten Weltkriegs, den echten wie den eingebildeten, die der Überzeugung waren, dass das Ergebnis die Verluste des Krieges rechtfertigen würde. Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, denen der Sieg bereits in den 1920er Jahren schal geworden war, hatten die Überzeugung nicht. Sie gingen mit dem Wissen in den Konflikt, dass selbst ein Sieg ihnen nichts einbringen würde. Tatsächlich war der Zweite Weltkrieg der Schlussakt der Geschichte des Alten Europa. Im Sommer 1945 war es nur noch ein Spielball zweier neuer Supermächte. Eine davon, die Sowjetunion, hatte immer nur am Rande zu Europa gehört, war von 1917 bis 1945 sogar aus seiner Mitte ausgestoßen gewesen. Die andere, die USA, engagierten sich erstmals überhaupt auf dem Kontinent. Die Europäer selbst hatten ihre beherrschende Stellung völlig eingebüßt und ordneten sich notgedrungen als Blöcke den beiden Supermächten so zu, wie diese es befahlen und befehlen konnten. Für die Dauer des Ost-West-Konflikts würde sich daran auch nichts mehr ändern.

Über 60 Millionen Menschen, vielleicht sogar mehr als 70 Millionen - man wird es wegen der Ungenauuigkeit der sowjetischen und chinesischen Zahlen nie genau wissen - starben zwischen 1937 und 1945. Noch heute, über 60 Jahre nach seinem Ende, ist der Zweite Weltkrieg im Bewusstsein der Völker, die ihn geführt haben, lebendig. Der Krieg war total. In seiner Endphase war die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Soldaten, die Hitler bereits im September 1939 beim Einfall in Polen aufgehoben hatte, völlig verwischt. Der Zweite Weltkrieg beendete die Ordnung des Westfälischen Friedens von 1648, beendete eine Ära, in der Staaten die Kriegführung als Mittel von Politik begriffen. Im Zeitalter von Atomwaffen gibt es keine Zivilisten. Es ist nur konsequent, dass der Zweite Weltkrieg der letzte "echte Krieg" war, den die Industriemächte der Welt gesehen haben. Das Bewusstsein, dass die gigantischen Verluste dieses Krieges letztlich vergeblich waren und unermessliches Leid aus dem Krieg entstehen muss, ist bis heute lebendig geblieben. Es ist wichtig, es ist lebensnotwendig, dieses Bewusstsein am Leben zu erhalten.
Bildnachweise: 
Sowjetsoldaten - unbekannt (CC-BY-SA 3.0)
Rückzug - Reimers (CC-BY-SA 3.0)
Hitler - Wagner (CC-BY-SA 3.0)
Infanteristen - unbekannt (gemeinfrei)
Breslau - unbekannt (gemeinfrei)
Große Drei - US government photographer (gemeinfrei)
Hiroshima - US Air Force (gemeinfrei)
Flüchtlinge - unbekannt (CC-BY-SA 3.0)

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Serie, es ist immer wieder interessant sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen.

    Was ist die Quelle für die Opferzahlen der Atombomben? Zumindest Wikipedia hat höhere Zahlen.

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  2. http://usaerklaert.wordpress.com/2008/08/12/der-krieg-gegen-japan-teil-3-die-totenzahlen-der-atombomben/

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  3. Naja, dass die USA sich erstmalig in Europa engagierte, ist nicht ganz korrekt. Der Umfang war sicherlich einzigartig bis dahin; Auch die Dauer und die Anstrengungen nach dem Krieg.
    Amerikanische Soldaten haben sich aber schon in den letzten Zügen des ersten Weltkriegs an Kampfhandlungen auf dem Kontinent aktiv beteiligt (mit der American Expeditionary Force). Auch auf den Friedensschluss hatten die Vereinigten Staaten einen gewissen Einfluss - auch wenn sie zum damaligen Zeitpunkt eine weitaus geringere Rolle spielten als während des zweiten Weltkriegs.

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  4. Mit Engagieren ist auch nicht Mitkämpfen gemeint, sondern das anschließende Übernehmen von Verantwortung.

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  5. Okay, dann habe ich den Abschnitt falsch interpretiert.

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  6. hat mich sehr interessiert und war gut zu lesen! danke

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