Von Stefan Sasse
Dies ist der dritte und letzte Teil einer Serie zum "Supreme Court of the United States". Teil 1 und Teil 2 findet sich hier und hier. Darin wurde skizziert, wie der Supreme Court sich seine eigene Jurisdiktion schuf, die Frage der Sklaverei zu beantworten versuchte und in nie gekannte Tiefen abrutschte, indem er die Rassentrennung legalisierte. Danach verhinderte er lange Jahre eine Sozialgesetzgebung in den USA, ehe er unter Roosevelt mit liberalen Richtern besetzt wurde und die New-Deal-Maßnahmen passieren ließ. In den 1950er und 1960er Jahren wurden zahlreiche Urteile gefällt, die die Bürgerrechtsbewegung entscheidend voranbrachten und die politische Landschaft der USA bis heute prägen. Seit dem Rücktritt Earl Warrens 1969 ist allerdings eine graduelle Rechtsverschiebung wahrnehmbar, die mit Ronald Reagans Regierungsantritt 1981 stark zunehmen sollte.
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| William Rehnquist |
Der auf Burgers R
ücktritt 1986 folgende Rehnquist-Court war einer der konservativsten Gerichtsh
öfe der letzten Jahrzehnte. Viele seiner Richter wurden von Ronald Reagan ernannt, und einige von ihnen sind heute noch aktiv. Interessanterweise sind einige sehr liberale Entscheidungen in seiner Zeit gefallen
– ein Zeichen daf
ür, dass die Richter tats
ächlich sehr unabh
ängig von den Politikern sind, die sie ernennen. So erlaubte der
Supreme Court explizit das Verbrennen von US-Flaggen unter dem ersten Verfassungszusatz (
„Texas v. Johnson“, was zu einer bis heute bestehenden Bewegung f
ür die Einf
ührung eines Verfassungszusatzes, der Flaggenverbrennungen verbietet, f
ührte), verbot
öffentliche, von Sch
ülern gef
ührte Schulgebete (
„Lee v. Weisman“), legalisierte Abtreibungen auch nach dem dritten Monat, wenn das Leben der Mutter gef
ährdet ist (
„Stenberg v. Cahart“) und erlaubte homosexuellen Geschlechtsverkehr (
„Lawrence v. Texas“). Ebenfalls in diese Reihe geh
ört
„Grutter v. Bollinger“, eine Entscheidung, die die Praxis der
„affirmative action“, also der bevorzugten Einstellung von Schwarzen, legitimierte.