Donnerstag, 9. September 2010

Fundstücke V

Von Stefan Sasse

Erika Steinbach, die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, hat (wieder einmal) für einen Eklat gesorgt, als sie erklärte, dass am Vorabend des Zweiten Weltkriegs alle Großmächte "große Bereitschaft zum Krieg" gezeigt hätten und besonders Polen sich dabei "sehr kriegerisch" gegeben hätte. Die Behauptung von der polnischen Aggression, die den Polen eine gewisse Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zuschiebt, hört man aus revisionistischen Kreisen häufig, ebenso wie der Vorwurf an Frankreich und England, sie hätten den Krieg zumindest billigend in Kauf genommen. Was aber ist dran?

Münchner Sicherheitskonferenz 1938
Der Charme dieser Behauptung liegt darin, dass sie einen gehörigen Kern Wahrheit beinhalten. Das Problem ist nur, dass die Ursachen ausgeblendet und sehr krude Schlüsse daraus gezogen werden. Selbstverständlich zeigte sich Polen im Sommer 1939 so kriegerisch wie möglich, angesichts der unverholenen Kriegsdrohungen des mächtigen Nachbarn, der nicht nur das Sudetenland und Österreich annektiert, sondern auch noch entgegen dem Münchner Vertrag die Tschecheslowakei besetzt und zerschlagen hatte. Im Sommer 1939 war selbst dem letzten Appeaser klar geworden, dass mit Hitler nicht zu verhandeln war. Entsprechend stellten sich nun auch, endlich, England und Frankreich gegen Hitler. Besonders England hatte lange der Illusion unterlegen, man könne Hitler durch Verhandlungen ruhigstellen; nun war klar, dass dies nicht mehr länger möglich war. Man musste sich auf Polens Seite stellen, wenn man den deutschen Aggressionen nicht tatenlos zusehen wollte.

Von einer Mitschuld dieser Länder kann also keinesfalls gesprochen werden. Was sie sich vorwerfen lassen müssen ist eher, diese kriegerische Bereitschaft zum Kampf nicht bereits zwei Jahre vorher gezeigt zu haben, als es noch möglich war, Hitler zum Kuschen zu bringen, und nicht, diese letztendlich doch noch gefunden haben. Es war die harte Entschlossenheit zum Kampf eines Churchills, nicht die Verhandlungsbereitschaft eines Chamberlain, die Hitler schließlich in die Knie zwang. Steinbachs Revisionismus ist deswegen entschieden zu begegnen. Die Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs trägt Deutschland, und Deutschland allein.

Bild Wikimedia Commons. 

Kommentare:

  1. Historiker Scheil: „Steinbach hat recht"

    Herr Scheil, Frau Steinbach hat mit ihrer Aussage, Polen habe bereits im März 1939 mobilgemacht, für Empörung in den Reihen der Union gesorgt. Können Sie die Aufregung verstehen?

    Scheil: Ich kann die Reaktionen nicht nachvollziehen. Offenbar fehlt es den Beteiligten in der Union mittlerweile an elementaren historischen Kenntnissen.

    Wieso?

    Scheil: Natürlich hat Frau Steinbach recht mit ihrer Aussage. Die polnische Regierung hat im März 1939 eine umfassende Teilmobilisierung ihrer Streitkräfte angeordnet, etwa eine dreiviertel Million Mann. Und diese Mobilisierung war keineswegs geheim, sondern wurde auch öffentlich bekundet. Die in Warschau akkreditierten Militärattachees hielten damals einen sofortigen polnischen Angriff auf Deutschland für möglich. Das ist bekannt. Genauso wie die polnischen Einmarschdrohungen der zwanziger und frühen dreißiger Jahre
    ....

    Quelle: Junge Freiheit
    http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5790b5be601.0.html

    Es gab da ja noch den ein oder andere Dokumentation, wie z.B Der Krieg, der viele Väter hatte.

    Zitat:
    Die Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs trägt Deutschland, und Deutschland allein.

    Die Fülle an Informationen, in den letzen Jahren
    steigt fast tagtäglich. Jedenfalls bin ich der Ansicht, dass diese Aussage nicht zutrifft und durch die jahrzente lange Propaganda in der BRD
    "eingeprügelt" worden.

    Aber das ist auch wieder nur meine Meinung.
    Schaun wir mal in paar Jahren, ob wir dann klüger sein werden.

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  2. Das ist keine Neuigkeit. Ich zweifle ja das Fakt gar nicht an. Was wichtig ist ist doch, was man daraus schließen kann. Und die Teilmobilmachung der Polen März 1939 war eine Reaktion auf den deutschen Einmarsch in der Rest-Tschechei. Wenn jemand wie Hitler beständig erklärt, Krieg führen zu wollen - wie sollten dann andere ihn noch zusätzlich reizen?

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  3. Das mag richtig sein.
    wer kann das heute noch genau sagen.

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/michael-grandt/erika-steinbach-hat-recht-.html

    Da gibt es deine Meinung, meine Meinung, da gibt es die offizielle Geschichte und es gibt die Wahrheit.

    Was davon Wahr ist und was nicht, das können wir schwer sagen.

    Aber eines ist sicher:
    Die Geschichte schreiben immer die Sieger.

    Ein ähnliches Thema ist das ums Deutsche Reich.
    Die einen sagen untergegangen. Die anderen es bestehe fort.

    http://www.youtube.com/watch?v=9V1Gdu_5L4E&feature=player_embedded

    http://www.youtube.com/watch?v=Iwj2B-okGiA&feature=player_embedded#!

    Was nun wahr ist? who knows?
    Aber das ist eine andere Geschichte.

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  4. Wie schon gesagt - das Fakt wird überhaupt nicht bestritten. Klar hatte Steinbach Recht. Nur darum geht es doch gar nicht.

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