Donnerstag, 12. August 2010

Die Mär vom Wirtschaftswunder

Von Stefan Sasse

Jeder Staat hat seinen Gründungsmythos. Das Deutsche Reich hatte Sedan, die Weimarer Republik den Versailler Vertrag und die Revolution von 1918/19, Frankreich die Französische Revolution, England die Glorious Revolution, die USA den Unabhängigkeitskrieg. Die UdSSR hatte die Oktoberrevolution, China hat den Langen Marsch, Vietnam den Krieg gegen Frankreich und Israel den Krieg von 1948, den es mit Palästina als Gründungsmythos teilt. Die obige Aufzählung zeigt, dass Gründungsmythen nicht immer, aber doch meist positiv sind. Was die obige Darstellung noch nicht zeigt, was aber kurz skizziert werden soll, ist, dass diese Gründungsmythen historisch nie haltbar sind und stark eine bestimmte Deutung forcieren, die wichtige Tatsachen unter den Tisch fallen lässt. Sedan ist hier noch am Ehrlichsten; die gewonnene Schlacht gegen die Franzosen und anschließend die Ausrufung des Reiches im Spiegelsaal von Versailles sind faktisch belegte Ereignisse; freilich unterscheidet sich ihre Interpretation. 

Die Weimarer Republik wurde Zeit ihrer Existenz von der Dolchstoßlegende geplagt, die ihr negativer Gründungsmythos war – Versailles hing ihr wie ein Klotz am Bein, und nie konnte sich eine halbwegs objektive Deutung der Geschehnisse durchsetzen, was wie kein anderes Beispiel die Wichtigkeit einer fundierten historischen Wissenschaft zeigt, die Mythen dekonstruiert. Die Französische Revolution ist ebenfalls vergleichsweise “ehrlich”, obgleich der identifikationsstiftende Sturm auf die Bastille nie stattgefunden hat; er ist eine spätere Legende. Die Blutbäder, zu denen die Revolution später geriet, werden dagegen kaum unter den Tisch gekehrt. Englands Glorious Revolution wird gerne als Befreiungsakt des Volkes dargestellt, doch kann davon keine Rede sein: es ist die (adelige) Oberschicht, die hier gegen den König aufbegehrt und ihm Privilegien abtrotzt, die sie Jahrhunderte später in einem zähen und letztlich vergeblichen Abwehrkampf gegen das Volk verlieren wird. Die Amerikaner unterstützen die Unabhängigkeitsbewegung keinesfalls so einheitlich, wie das heute gerne dargestellt wird, tatsächlich waren kaum ein Drittel von ihnen Unabhängigkeitsbefürworter. Auch weiß man heute, dass es mit der “Unterdrückung” durch England nicht sonderlich weit her war. Sowohl beim Langen Marsch als auch bei der Oktoberrevolution werden die zahllosen Opfer gerne unter den Tisch gekehrt; die Oktoberrevolution weiß außerdem mit dem “Sturm auf das Winterpalais” von St. Petersburg noch eine Bastille-Heldengeschichte aufzufahren, die so nie stattfand. Israels und Palästinas Gründungsmythos hingegen ist vor allem eine Schlacht um die Deutungshoheit über einen Krieg, dessen Ausgang und Verlauf außer Frage stehen. Nationalmythen gibt es überall, und oft steckt ein Körnchen Wahrheit und viel Klischee dahinter, das einen politischen Zweck erfüllt – den Bürgern ein Stück Identifikation und Vorbild zu bieten. Manche Mythen leisten diese Aufgabe besser als andere. Wir haben den Mythos vom Wirtschaftswunder.

Der vergoldete millionste Käfer, Sinnbild
Zu Beginn der Auseinandersetzung soll der Mythos zuerst kurz beschrieben werden, wie er stets präsentiert wird: Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 lag Deutschland in Schutt und Asche. Die Menschen hausten in Ruinen, die Fabriken waren zerstört. Die "historische Uhr" springt jetzt sofort auf 1948 um, die Jahre dazwischen finden im Allgemeinen nicht statt. Es kommt die Berlinblockade; der böse Russe zeigt sein wahres Gesicht, während der Amerikaner uns rettet und Schokolade an Minifallschirmen für Kinder abwirft. Dann kommen Marshallplan, die D-Mark, Erhard gibt die Wirtschaft frei und mit einem Schlag beginnt das Wirtschaftswunder. Es gibt viel zu kaufen, gleichzeitig hat man Geld, und die Wirtschaft brummt. Die Menschen verdienen Geld, fahren in Urlaub, und die BRD entwickelt sich rasant zum Konsumparadies. Das Wirtschaftswunder endet in den späten 1960er Jahren, passend zur Regierungsbeteiligung der SPD.
Warum nun ist das Wirtschaftswunder der Nationalmythos der Deutschen? Unter den oben präsentierten Nationalmythen sticht es heraus, denn es ist ein wirtschaftlicher, kein politischer Mythos. Kein Krieg, der gewonnen wurde, kein König, der gestürzt wurde. Das ist ungewöhnlich und es prägt die BRD noch heute auf vielfältige Art und Weise.

Zum einen besagt der Mythos, dass das Wirtschaftswunder massiv dadurch begünstigt wurde, dass sich der Staat heraushielt – Erhard gab entgegen dem Willen der Briten durch die Preise die Wirtschaft frei. Dieses Ressentiment gegen staatliche Steuerung kann auf der Klaviatur deutscher Gefühle ungeheuer leicht aktiviert werden.
Zum anderen ist die Hilfe der Amerikaner als Anschubleistung – Stichwort Marshallplan – Bestandteil des Mythos’. Dies war ungeheuer wichtig, um die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA zu legitimieren und mit positiven Gefühlen aufzuladen.
Zum weiteren beruhen Gründungsmythen auf der Wirtschaftswunderzeit. Aldi, Lidl, dm – als pars pro toto – entstehen in dieser Zeit. Es ist die deutsche Version vom Tellerwäscher zum Millionär – weniger mit gewitzter Idee als mit eiserner Sparsamkeit und unglaublichem Fleiß zum Erfolg. Sie bestimmt noch heute diese überaus wichtigen Konzerne und damit den Alltag vieler Deutscher, die bei ihnen einkaufen.

Ludwig Erhard 1957
Ein weiterer Punkt ist die fast grenzenlose Verehrung Erhards. Obwohl sich sein Part am Wirtschaftswunder eigentlich in Grenzen hält, wie wir später noch sehen werden, gilt er als wirtschaftlicher Übervater. Wer es heute schafft, sich mit ihm in eine Reihe zu stellen – wie es sowohl Glos als auch Guttenberg versucht haben – kann sich breiter Zustimmung sicher sein.
All diese Faktoren führen dazu, dass heutige Politik durch gezieltes Spielen auf der Klaviatur deutscher Gefühle mit Anklängen an das Wirtschaftswunder legitimiert werden kann. Man denke nur an Merkels ewige “schwäbische Hausfrau”, eine der wohl dümmsten Metaphern der letzten Jahre. Deswegen ist es wichtig, diesen Mythos zu verstehen, anzuerkennen und zu dekonstruieren.

Das “Wunder” gibt es eigentlich nicht. Die wirtschaftliche Entwicklung nach 1948 war eine Folge vieler Faktoren, von denen keiner allzu wundersam war. Eigentlich eignet sich die Entwicklung, die damals so viele Zeitgenossen auch und gerade im Ausland überraschte nicht zur mystischen Überhöhung, wie folgende Faktoren verdeutlichen sollen.

Offizielles Logo
Der Marshallplan: Er war hauptsächlich eine Propagandaangelegenheit. Die bezahlten Beträge waren viel zu gering, um eine ernsthafte Wirkung auf die Ökonomie gehabt zu haben, wie ihnen fälschlicherweise oft unterstellt wird. Ihre wahre Wirkung lag in der Psychologie begründet: die Amerikaner, die das Schmuddelkind Deutschland unterstützten - damit wurden Absatzmärkte geöffnet. Deutsche Geschäftsleute konnten international verkehren. Außerdem war klar, dass zerstörerische Nachkriegspläne wie der Morgenthau-Plan endgültig vom Tisch waren und die Amerikaner planten, Deutschland in eine westlich-kapitalistisch geprägte Zone einzubeziehen. Die Unsicherheit, Gift für langfristige Investitionen, war vom Tisch.
Die Kriegszerstörungen: Es klingt banal, aber wenn man sich die Infrastruktur und Wirtschaft auf einer Skala von 0 (nicht vorhanden) bis 100 (perfekt) vorstellt, dann ist der Aufbau von 0 auf 70 leichter als von 95 auf 100, wie jeder weiß, der einmal eine sehr gute Leistung auf eine ausgezeichnete verbessern wollte. Es konnte nach 1945 eigentlich nur noch aufwärts gehen, die Frage war also nur, wie schnell. Das Wettrennen mit der DDR gewann die BRD jedenfalls klar, auch wenn es besonders anfangs überhaupt nicht so eindeutig war, wie dies in der Retrospektive scheint. Was jedoch selten bedacht wird ist Folgendes: nicht nur die Gebäude lagen in Schutt und Asche, sondern auch viele Maschinen. Als man alles wieder aufbaute, wurden auch neue Maschinen angeschafft – das Neueste, was gerade verfügbar war. Damit verschaffte sich Deutschland schnell eine Führungsposition, paradoxerweise gerade gegenüber Ländern wie England, die von Kriegszerstörungen vergleichsweise verschont geblieben waren, woraus die große Überraschung über die schnelle Erholung – das “Wunder” – denn auch resultierte.

Keynes in Bretton Woods (rechts)
Bretton Woods: 1944 wurde in der Konferenz von Bretton Woods ein neues Weltwährungssystem beschlossen. Hauptverhandlungspartner waren die Briten und die Amerikaner, von denen Letztere erstmals von ihrem durch den Krieg errungenen Weltmachtstatus Gebrauch machten, den die Briten nicht besaßen. John Maynard Keynes, der die Verhandlungen für die Briten führte, kam mit seinen Vorschlägen kaum durch. Der Dollar wurde goldgedeckte internationale Leitwährung in einem System fester Wechselkurse, der IWF zur Stabilitätssicherung gegründet. Für Deutschland war dieses System ein echter Gewinn: die D-Mark wurde mit 4,80 DM pro Dollar drastisch unterbewertet, wie sich bald zeigen sollte. Diese Unterbewertung war ein Schlüssel im Erlangen des Titels "Exportweltmeister", der in Deutschland heute noch wie ein Fetisch verehrt wird (obgleich er damals zugegeben noch nicht in Mode war; griffig ist er dennoch). Deutsche Produkte waren auf dem Weltmarkt extrem billig und brachten Devisen ins Land.

Lohnzurückhaltung: Beim Erreichen der astronomischen Exportüberschüsse ist neben der unterbewerteten D-Mark noch ein zweiter Faktor ausschlaggebend, auf den sich auch der heutige Exportboom der Nuller-Jahre stützt: die Lohnzurückhaltung der damaligen Zeit. Die Produktivität stieg deutlich schneller an als die Löhne, die Lohnstückkosten sanken. Dadurch wurden die deutschen Produkte im internationalen Vergleich noch billiger als durch die generell hohe Produktivität und Effizienz der Wirtschaft und die unterbewertete D-Mark ohnehin. Dass dabei der deutsche Binnenmarkt ungeheuer schwächelte, ist ein Problem an dem wir noch heute laborieren.

Koreakrieg
Der Koreakrieg: Das Wirtschaftswunder kam nicht schon 1948 mit der Einführung der D-Mark richtig in Schwung, sondern 1950 mit dem Beginn des Koreakriegs. Die USA, deren brummende Wirtschaft zu dieser Zeit den Weltmarkt beherrschte, mussten erneut ein großes Militärbudget stemmen und waren nicht mehr in der Lage, den Weltmarkt wie vorher zu beliefern. In die so entstandene Lücke sprangen die deutschen Produkte, die ansonsten deutlich schlechtere Chancen gehabt hätten.

Die amerikanischen Importzölle: Alle bisher beschriebenen Faktoren, so günstig sie auch sind, hätten den deutschen Exporten nicht zum Durchbruch verholfen, wenn die USA die Wirtschaftspolitik aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg fortgeführt und sich protektionistisch verhalten hätten. Doch die USA senkten ihre Importzölle stark ab, obwohl es dafür keine objektive Veranlassung gab. Sie öffneten damit ihren Markt weit für die europäischen Produkte - und damit vor allem die deutschen.

Die Kolonien: Aus deutscher Sicht ist die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine vom Krieg verschonte. Friedlich möchte man sie nicht reinen Gewissens nennen, wenn man die Geschehnisse jenseits des Eisernen Vorhangs betrachtet, doch Kriege führten weder BRD noch DDR. Sie entsandten nicht einmal Truppen in Krisengebiete ihrer Verbündeten (obwohl sowohl Adenauer als auch Ulbricht und Honecker dies sehr wünschten). Frankreich und England dagegen, die beiden einzigen ernsthaften Konkurrenten Deutschlands in Europa, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in eine Reihe blutiger Auseinandersetzung in ihren Kolonien verwickelt, die sehr zeitaufreibend und teuer waren, Frankreich vor allem in Vietnam und Algerien, Großbritannien in Indien und im Nahen Osten, beide zusammen in Ägypten. Dies eröffnete Deutschland weitere Chancen.

Die EWG: 1952 schlossen die BRD, Frankreich, die BeNeLux-Staaten und Italien den Vertrag über die Gemeinschaft für Kohle und Stahl, Montanunion genannt. Er gilt allgemein als Vorläufer für die Römischen Verträge von 1957, mit denen die EWG gegründet wurde. Dadurch wurde eine Zone ohne Handelsbarrieren geschaffen - eine weitere unheimliche Begünstigung für die deutschen Exporte. Gleichzeitig wurde das Rechtssystem des internationalen Handels stark vereinfacht.

Gastarbeiter bei VW 1973
Die Gastarbeiter: Auch sie gehörten zum Wirtschaftswunder und korrelierten mit der Lohnzurückhaltung. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Arbeitskräfte schnell knapp, die boomende und damals noch recht personalintensive Wirtschaft brauchte dringend weitere. Deswegen wurden mit diversen Ländern, vor allem Spanien, Portugal, Italien und Griechenland (die Türkei folgte erst wesentlich später) Verträge abgeschlossen, die den reibungslosen Zu- und Abzug der Gastarbeiter regelten. Dadurch standen der Wirtschaft billige und willige Arbeitskräfte zur Verfügung, als sie sie benötigte und die sich später leicht wieder loswerden ließen.
Der Sozialstaat: Besonders in der Zeit bis Ende 1948 gab es in Deutschland große Sympathien für ein sozialistisch orientiertes, planwirtschaftliches System, das auch die Briten favorisierten. Der Aufbau des Sozialstaats sicherte die Bedingungen der entstehenden Marktwirtschaft ab, da er eine erneute Systemkrise wie 1932 unwahrscheinlich erscheinen ließ.

Es war folglich eine ganze Reihe von Gründen, die zu dem großen wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands in den 1950er und 1960er Jahren führte. Doch wie so oft ist der Erfolg von einst das Problem von heute. Die schlechte Binnennachfrage in Deutschland hat zu einer hohen Abhängigkeit vom Export gesorgt, wo der Boom der letzten Jahre nur aufgrund eines unglaublichen Lohndrucks möglich war. Der Fetisch Exportweltmeister, um den in Deutschland gerne wie um das Goldene Kalb getanzt wird, er fußt in der damaligen Zeit und ist integraler Bestandteil des Gründungsmythos Wirtschaftswunder. Die Dekonstruktion des Mythos, all das sei aus eigener Kraft erreicht worden, bestenfalls durch den Anschub des Marshallplans, ist wichtig, um sich der Erkenntnis zu stellen, dass die Bedingungen in der Welt wie in Deutschland heute nicht mehr dieselben sind wie anno 1950 – und dass es andere Rezepte braucht, um Wohlstand zu generieren. Die Stärkung des Binnenmarkts ist wichtig, und diese wird sich nur über Lohnsteigerungen erreichen lassen  - und zulasten einer zunehmend parasitären Exportwirtschaft.

Alle Bilder Wikimedia Commons.  

Kommentare:

  1. mal so nebenbei

    Lied vom Wirtschaftswunder

    Musik: Franz Grothe / Text: Günter Neumann / Gesang: Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller (1958)

    Die Straßen haben Einsamkeitsgefühle
    Und fährt ein Auto, ist es sehr antik
    Nur ab und zu mal klappert eine Mühle
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg
    Aus Pappe und aus Holz sind die Gardinen
    Den Zaun bedeckt ein Zettelmosaik
    Wer rauchen will, der muss sich selbst bedienen
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg

    Einst waren wir mal frei
    Nun sind wir besetzt
    Das Land ist entzwei
    Was machen wir jetzt?

    Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
    Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
    Jetzt gibt's im Laden Karbonaden schon und Räucherflunder
    Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
    Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
    Der deutsche Bauch erholt sich auch und ist schon sehr viel runder
    Jetzt schmeckt das Eisbein wieder in Aspik
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg
    Man muss beim Autofahren nicht mehr mit Brennstoff sparen
    Wer Sorgen hat, hat auch Likör und gleich in hellen Scharen
    Die Läden offenbaren uns wieder Luxuswaren
    Die ersten Nazis schreiben fleißig ihre Memoiren
    Denn den Verlegern fehlt es an Kritik
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg

    Wenn wir auch ein armes Land sind
    Und so ziemlich abgebrannt sind
    Zeigen wir, dass wir imposant sind
    Weil wir etwas überspannt sind
    Wieder haun' wir auf die Pauke
    Wir leben hoch hoch hoch hoch hoch höher hoch

    Das ist das Wirtschaftswunder
    Das ist das Wirtschaftswunder

    Zwar gibt es Leut, die leben heut noch zwischen Dreck und Plunder
    Doch für die Naziknaben, die das verschuldet haben
    Hat unser Staat viel Geld parat und spendet Monatsgaben
    Wir sind ne ungelernte Republik
    Ist ja kein Wunder ist ja kein Wunder
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg
    Hazy Osterwald Sextett auf der Bühne, Aufnahme von 1965. (Rechte: dpa)

    Das Hazy Os­ter­wald Sex­tett spielt den "Kon­junk­tur Cha Cha Cha"

    Vergrößern
    Der "Konjunktur Cha cha cha"

    Musik: Paul Durand / Text: Kurt Feltz (1960)

    Gehn' Sie mit der Konjunktur,
    gehn' Sie mit auf diese Tour,
    nehm' Sie sich Ihr Teil, sonst schäm' Sie sich und später
    gehn' Sie nicht zum großen Festbankett.

    Gehn' Sie mit der Konjunktur,
    gehn' Sie mit auf diese Tour
    sehn' Sie doch, die andern steht schon dort
    und nehm' die Creme schon fort beim großen Festbankett.

    Man ist, was man is(s)t nicht durch den inneren Wert,
    den kriegt man gratis, wenn man Straßenkreuzer fährt
    man tut, was man tut nur aus dem Selbsterhaltungstrieb,
    denn man hat sich nur selber lieb.

    Drum: gehen' Sie mit der Konjunktur,
    Gehn' Sie mit auf diese Tour
    Holen Sie sich ihre Kohlen wie der Krupp von Bohlen aus dem großen Weltgeschäft.

    ho joho ho joho ho c'est la vie
    oh joho ho joho ho und ich singe oh jo ho joho ho joho ho...

    Gehn' Sie mit der Konjunktur,
    gehn' Sie mit auf diese Tour
    schöpfen Sie Ihr Teil
    und schröpfen Sie, die anderen köpfen Sie sonst später ohnehin.
    Gehn' Sie mit der Konjunktur,
    drehn' Sie mit an dieser Uhr
    laufen Sie, wenn's sein muss
    raufen Sie und dann verkaufen sie mit Konjunkturgewinn.

    Mein Freund hat 'ne Freundin und die ist Gott sei Dank
    Chefsekretärin bei 'nem Boss von'ner Bank
    der Chef geht mit ihr soupieren und gibt ihr im Schwips
    für unsre Aktien ein paar Tips

    Drum: gehn' Sie mit der Konjunktur,
    gehn' Sie mit auf diese Tour,
    Geld, das ist auf dieser Welt der einz'ge Kitt, der hält,
    wenn man davon genügend hat. (noch einmal) wenn man davon...

    das war in den 50ern
    gruss georg

    AntwortenLöschen
  2. Lied vom Wirtschaftswunder

    Musik: Franz Grothe / Text: Günter Neumann / Gesang: Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller (1958)
    Die Straßen haben Einsamkeitsgefühle
    Und fährt ein Auto, ist es sehr antik
    Nur ab und zu mal klappert eine Mühle
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg
    Aus Pappe und aus Holz sind die Gardinen
    Den Zaun bedeckt ein Zettelmosaik
    Wer rauchen will, der muss sich selbst bedienen
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg
    Einst waren wir mal frei
    Nun sind wir besetzt
    Das Land ist entzwei
    Was machen wir jetzt?
    Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
    Jetzt gibt's im Laden Karbonaden schon und Räucherflunder
    Jetzt kommt das Wirtschaftswunder
    Der deutsche Bauch erholt sich auch und ist schon sehr viel runder
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    Man muss beim Autofahren nicht mehr mit Brennstoff sparen
    Wer Sorgen hat, hat auch Likör und gleich in hellen Scharen
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    Zeigen wir, dass wir imposant sind
    Weil wir etwas überspannt sind
    Wieder haun' wir auf die Pauke
    Wir leben hoch hoch hoch hoch hoch höher hoch
    Das ist das Wirtschaftswunder

    Zwar gibt es Leut, die leben heut noch zwischen Dreck und Plunder
    Doch für die Naziknaben, die das verschuldet haben
    Hat unser Staat viel Geld parat und spendet Monatsgaben
    Wir sind ne ungelernte Republik
    Ist ja kein Wunder ist ja kein Wunder
    Ist ja kein Wunder nach dem verlorenen Krieg
    Hazy Osterwald Sextett auf der Bühne, Aufnahme von 1965. (Rechte: dpa)

    gruss georg

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  3. Wirtschaftswunder teil 2 die Konjunktur !!!
    Das Hazy Os­ter­wald Sex­tett spielt den "Kon­junk­tur Cha Cha Cha"

    Musik: Paul Durand / Text: Kurt Feltz (1960)

    Gehn' Sie mit der Konjunktur,
    gehn' Sie mit auf diese Tour,
    nehm' Sie sich Ihr Teil, sonst schäm' Sie sich und später
    gehn' Sie nicht zum großen Festbankett.

    Gehn' Sie mit der Konjunktur,
    gehn' Sie mit auf diese Tour
    sehn' Sie doch, die andern steht schon dort
    und nehm' die Creme schon fort beim großen Festbankett.

    Man ist, was man is(s)t nicht durch den inneren Wert,
    den kriegt man gratis, wenn man Straßenkreuzer fährt
    man tut, was man tut nur aus dem Selbsterhaltungstrieb,
    denn man hat sich nur selber lieb.

    Drum: gehen' Sie mit der Konjunktur,
    Gehn' Sie mit auf diese Tour
    Holen Sie sich ihre Kohlen wie der Krupp von Bohlen aus dem großen Weltgeschäft.

    ho joho ho joho ho c'est la vie
    oh joho ho joho ho und ich singe oh jo ho joho ho joho ho...

    Gehn' Sie mit der Konjunktur,
    gehn' Sie mit auf diese Tour
    schöpfen Sie Ihr Teil
    und schröpfen Sie, die anderen köpfen Sie sonst später ohnehin.
    Gehn' Sie mit der Konjunktur,
    drehn' Sie mit an dieser Uhr
    laufen Sie, wenn's sein muss
    raufen Sie und dann verkaufen sie mit Konjunkturgewinn.

    Mein Freund hat 'ne Freundin und die ist Gott sei Dank
    Chefsekretärin bei 'nem Boss von'ner Bank
    der Chef geht mit ihr soupieren und gibt ihr im Schwips
    für unsre Aktien ein paar Tips

    Drum: gehn' Sie mit der Konjunktur,
    gehn' Sie mit auf diese Tour,
    Geld, das ist auf dieser Welt der einz'ge Kitt, der hält,
    wenn man davon genügend hat. (noch einmal) wenn man davon...
    GRUSS GEORG

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  6. Lieber Stefan,

    guter Artikel. Ich mag Deine Idee, Geschichte als Delegitimationswissenschaft zu betreiben und es ist richtig, die kollektiven Mythen anzugreifen, von denen es noch viele zu dekonstruiren gäbe: Mythen stiften Sinn, lassen sich politisch immer wieder aktivieren, wirken handlungsleitend und stellen die letzte Verteidigungslinie der symbolischen Ordnung dar. Wer den ideologischen Kern bloßstellt, nimmt dem Mythos seine Kraft und sieht die in ihm verborgenen Interessen. Das ist gut, richtig und wichtig, was Du machst.

    Nur ein wichtiges Detail scheint mir falsch dargestellt: die Kriegszerstörungen und von "0 auf 100". Da läufst Du dem Stand der wirtschaftshistorischen Forschung weit hinterher. Wenn Wirtschaftshistoriker heute die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für das "Wirtschaftswunder" untersuchen, fällt ihr Blick zuallererst auf die gewaltigen Investitionen, die von 1936-44 in die deutsche Industrie geflossen sind. Das INTAKTE, funktionsfähige Bruttoanlagevermögen der deutschen Industrie ist im Mai 1945 immer noch DOPPELT so groß wie 1936.

    Tatsächlich kam es 1945 nicht zum Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft, weil die Produktionskapazitäten zerstört gewesen wären, sondern weil Transportkapazitäten und Rohstoffe nicht mehr vorhanden waren. Selbst 1944, auf dem Höhepunkt der alliierten Luftoffensive, wurden nicht mehr als 6% aller Werzugmaschinen beschädigt und davon wiederum nur 10% so schwer, daß sie völlig unbrauchbar waren. Auch in der strategisch wichtigen Kugellagerindustrie wurden nur 16% aller Werkzeugmaschinen. Die Kapazitäten zur Stahlproduktion sind selbst 1945 noch erheblich größer als vor dem Krieg. Die Bergwerke an der Ruhr hatten kaum Schäden erlitten, und so fort. Der "United States Strategic Bombing Survey", der nach dem Krieg die Kriegszerstörungen katalogisiert, bestätigt die deutschen Statistiken, wenn die Produktion an Panzerfahrzeugen im Dezember 1944 ihren Höhepunkt erreicht.

    Der Schwerpunkt alliierter Luftangriffe lag seit März 1942 bewußt nicht mehr auf der Industrie, sondern auf dem Transportsystem und Flächenbombardements von Wohngebieten. Kurz: Die deutsche Industrieproduktion bricht 1945 zusammen, weil das Transportsystem zerstört war, nicht weil die Produktionskapazitäten zerstört gewesen wären.

    Es ist keine überzogene These, wenn man als Wirtschaftshistoriker behauptet, daß die gewaltigen Investitionen von 1936-44 eine der entscheidenden Voraussetzungen für das "Wirtschaftswunder" waren. Werner Abelshauser, durchaus kein Außenseiter des Fachs, sondern mittlerweile breitester Mainstream und Verfasser universitärer Standardwerke, argumentiert seit 35 Jahren in diese Richtung.

    Die wirklich interessanten Fragen beginnen, wenn man weiterforscht und fragt, woher eigentlich die Mittel kamen, mit denen diese gewaltigen Investitionen getätigt wurden, die die Voraussetzung für das "Wirtschaftswunder" schufen. Man kommt dann schnell darauf, daß das Deutsche Reich als Besatzungmacht halb Europa buchstäblich bis zum Tod ausgebeutet und die dadurch gewonnen Mittel in Deutschland investiert hat. Das ist der häßliche Kern des Mythos vom "Wirtschaftswunder".

    Den Mythos "Ludwig Erhard" könnte man auch viel präziser und schärfer zerstören, ich schreibe Dir gern noch etwas dazu, wenn Du magst.

    Herzliche Grüße

    Arne

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  7. Hallo Arne,
    sehr gerne! Ich veröffentliche das dann auch gerne hier :) Dass die Wirtschaft am Ende des WKII nicht vollständig zerstört war ist mir bewusst; mir ging es in der Metapher lediglich darum klarzustellen, dass die Steigerung von wenig auf mehr leichter ist als von viel auf mehr.

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  8. Lieber Stefan,

    auch ich kann diese merkelsche Ludwig Erhard-, Währungsreform-, Soziale Marktwirtschaft-Mythen nicht mehr hören und denke dann immer: irgendjemand schenke ihr doch bitte einmal einen Abelshauser oder irgendein anderes Standardlehrbuch zur deutschen Wirtschaftsgeschichte.

    Die Geschichte geht nämlich so:

    Erhard war im Krieg Leiter des "Instituts für Industrieforschung", das von der "Reichsgruppe Industrie" finanziert wurde - das ist der Lobbyverband der deutschen Industrie im Dritten Reich, die Vorläuferorganisation des VDI. 1943 saß Erhard mit Otto Ohlendorf im Reichswirtschaftsministerium zusammen und zerbrach sich den Kopf. Otto Ohlendorf war Befehlshaber der Einsatzgruppe D, der 90.000 Genickschüsse in der Ukraine zu verantworten hat, auf Betreiben Himmlers ins Reichswirtschaftministerium befördert, um einen Plan auszuarbeiten, wie man die Kriegs- und Arisierungsgewinne, sowie die Gewinne aus den ausgebeuteten besetzten Gebieten über die sich abzeichnende Niederlage retten könnte.

    Ein wenig Hintergrund dazu: als der deutschen Industrie Mitte 1943 klar wurde, daß sie DEN Krieg nicht mehr gewinnen würde, jedoch AM Krieg gut verdient hatte und weiter verdienen würde, brach noch mitten im Krieg der Kampf um die Kriegsgewinne aus. Erhard warnt im Auftrag der Industrie, ZITAT: "daß eines Tages Leute kommen und sagen könnten: wenn ein Teil des deutschen Volkes ohne eigene Schuld alles verloren hat, kann es nicht gutgeheißen werden, daß andere ohne eigenes Verdienst Begünstigte ihr gesamtes Vermögen über den Krieg hinüberretten." Das gilt es aus seiner Sicht mit allen Mitteln zu verhindern.

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  9. Albert Speer und seine Leute entwickeln zu dieser Zeit bereits eine Reihe "staatssozialistischer" Pläne, die Himmler, die SS und Erhard für "total bolschewistisch" halten. Sie wollten stattdessen ein - Zitat Otto Ohlendorf - "aktives und wagemutiges Unternehmertum in einer staatlichen und damit sozialen Marktwirtschaft". HIER, in einer SS-Denkschrift aus dem Jahre 1943, taucht der Begriff "Soziale Marktwirtschaft" zum ersten Mal auf.

    Als Lobbyist der Industrie schreibt Erhard daraufhin seine berühmte Denkschrift "Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung". Darin heißt es, es gehe darum, "das private Eigentum an Produktionsmitteln aufrechtzuerhalten und auf diese Weise eine gesellschaftlich privilegierte und durch die Kriegsentwicklung noch begünstigte Schicht von Vermögensträgern in dieser Sonderstellung zu belassen bzw. neu zu bestätigen."

    Diese Denkschrift gilt in der heutigen Forschung als Blaupause für die Währungsreform 1947.

    In der Währungsreform 1947 wird das gesamte Sparvermögen der kleinen Leute, die den Krieg letztendlich finanziert haben, ersatzlos annuliert, während der Besitz an Aktien und Sachwerten unangetastet bleibt. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit, es kommt darüber zu Aufständen, im Winter 1948 gar zum Generalstreik: Erhard bittet die Aliierten um Hilfe und die Aliierten lassen Panzer auffahren.

    Die Frühzeit der Bundesrepublik war also gar nicht so gemütlich, von wegen: plötzlich waren alle Geschäfte wieder voll und blabla und das ist auch der Grund, warum die Zeit im kollektiven Gedächtnis "plötzlich auf 1948 umspringt", wie Du in Deinem Artikel schreibst.

    Gesellschaftshistoriker wie Hans-Ulrich Wehler - auch nicht gerade ein abseitiger Spinner: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Ulrich_Wehler - , die in größeren Zeiträumen denken, machen sich schon seit Jahrzehnten vermehrt Gedanken darüber, wie es eigentlich dazu kam, daß etwa seit der Reichgründung 1870/71 eine recht homogene Schicht von Vermögenden in Deutschland entstehen konnte, die sich ungeachtet aller Katastrophen des 20. Jahrhunderts halten konnte. Die Währungsreform steht dabei immer wieder im Zentrum der Analysen.

    Langer Rede kurzer Sinn: die ganze Geschichte ist noch viel häßlicher, als Du oben beschreibst und um sie zu erfahren, muß man nichts weiter tun, als die Stadardliteratur der neueren deutschen Geschichtswissenschaft lesen.

    Allein die Tatsache, daß für politische Mythologie heute Fernsehunterhalter, Prominente, Werbedesigner und Bildzeitungsredakteure von größerer Bedeutung sind als Historiker, verhindert, daß diese delegitimierende Geschichte weitere Verbreitung findet.

    Liebe Grüße

    Arne

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  10. Auch wurde die BRD von den Reparationzahlungen faktisch befreit. Im Gegensatz zu DDR blieben so die industriellen Kapazitäten erhalten.

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  11. Das ist so nicht ganz korrekt. Die BRD hat mehr Reparationen bezahlt als die Weimarer Republik; sie haben dies nur deutlich verträglicher und entsprechend der Wirtschaftsleistung getan und nicht wie in Weimar mit dem Ziel der Schwächung des Staates.

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  12. So weit ich weiß aber deutlich weniger Reparationen als die DDR. Rechtlich gesehen ist das sogar dahingehend schwierig, da der offizielle Nachfolgestaat zum Deutschen Reich die BRD war (gut das wird die SU nicht interessiert haben).

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  13. zu ludwig erhard. j.k.galbraith, der berühmte amerikanische nationalökonom bemerkt in seinen memoiren: vom ende 1947 bis anfang 1948 war ein gewisser dr. johannes semler leiter des wirtschaftsrates in der britisch amerikanischen bi-zone.da der weizen immer noch knapp war, schickten wir ( die amerikaner ) nach wie vor mais und so bemerkte semler im januar 1948 in einer rede daß das was wir unseren erzfeinden zukommen ließe " hühnerfutter " sei. Wahrscheinlich meinte er das gar nicht mal abschätzig aber übersetzungen können die bedeutung ändern und nicht immer zum guten hin.auf englisch lautete der satz: " the americans are sending us chicken feed ". semler wurde abgesetzt und general clay gab die order einen gefügigeren mann zu suchen. man berichtete ihm daß ludwig erhard keine braunen flecken auf der weste habe, ein sehr gutmütiger mensch sei und gerne reden auf das freie unternehmertum halte. erhard wurde ernannt. seine reden brachten ihm auch weiterhin viel achtung und beifall ein. und er erschien gerade zum richtigen zeitpunkt auf dem plan um den effekt einer höchst erfolgreichen währungsreform für sich verbuchen zu könne. zitat ende.
    so viel zur karriere von ludwig erhard
    gruss georg

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  14. Hallo!

    Du schreibst Folgendes:
    "Die Amerikaner unterstützen die Unabhängigkeitsbewegung keinesfalls so einheitlich, wie das heute gerne dargestellt wird, tatsächlich waren kaum ein Drittel von ihnen Unabhängigkeitsbefürworter."

    Darüber würde ich gern mehr erfahren. Zur Zeit ist das koloniale Amerika ein Thema von Interesse für mich. Woher hast du diese Information? Geht die Quelle ausführlicher auf die Revolutionszeit in den heutigen USA ein?

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  15. Die Geschichte mit dem Hühnerfutter stammt daher, dass die Amerikaner "corn" geliefert haben, also Mais. Der Deutsche hielt das zuerst für Hühnerfutter, "chicken feed", was aber im amerikanischen slang auch "Kleinigkeiten" bedeutet. Die Amerikaner fühlten sich in ihren Hilfsanstrengungen beleidigt. Es handelt sich um eine weitere Anekdote darüber was passiert, wenn man keinen vernünftigen Übersetzer hat.

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  16. Hallo Cons,

    eigentlich ist diese Information common sense; die findest du in jedem halbswegs aktuellen Geschichtsüberblick. Brian Woods ist ganz nett (Buchtitel gerade leider nicht im Kopf), aber schon bei einem dezidierten Antiamerikaner wie Joachim Fernau findest du diese Info.
    Und was genau meinst du mit "Revolutionsezeit in den heutigen USA"?

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  17. Hallo Stefan!

    Danke für deine Antwort! Mit Revolutionszeit meine ich den Zeitraum nach dem Franzosen- und Indianerkrieg bis zum Ende des Unabhängigkeitskrieges. Wäre z. B. von Fernau "Halleluja. Die Geschichte der USA" von 1977 geeignet für das Thema?

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  18. Fernau ist ein Antiamerikaner und Polemiker, ungeheuer unterhaltsam zu lesen, aber keinesfalls ernst zu nehmen. Es gibt besonders im englischsprachigen Raum hunderte von Darstellungen über die amerikanische Revolution, und auch im deutschen genügend. Wenn du einen Gesamtüberblick über die amerikanische Geschichte willst, in der das auch enthalten ist, hol dir von Udo Sautter "Geschichte der USA", das ist ziemlich gut. Auch Georg Schild ist profilierter Amerikahistoriker.

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  19. Danke! Den Sautter habe ich vor Jahren schon mal angelesen, ich erinnere mich.

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  20. Vielleicht sollte sich der Blogschreiber zu ökonomischen Fragen zurückhalten.

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  21. Nachtragender Link zu Arne: "Wie Ludwig Erhard im Januar 1945 zusammen mit dem später gehängten SS-Einsatzgruppenführer Otto Ohlendorf die Soziale Marktwirtschaft erfand". Leider nur noch im Archiv lesbar.

    https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2009/09-19/023.php

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  22. Und: Im Gegensatz zu geläufigen Vermutungen war für die Bundesrepublik 1945 ökonomisch keine »Stunde Null«. Nicht nur, dass die Arbeiterklasse durch den Faschismus am Boden lag und das Lohnniveau aufgrund dieser Schwäche erst Mitte der fünfziger Jahre das von 1938 erreichte, auch die stofflichen Bedingungen der Produktion waren gut - der NS hatte auch eine Moderniiserung der Produktionsbedingungen zur Folge gehabt. So war trotz Kriegszerstörung der Kapitalstock 1945 um über 20 PRozent größer als 1936.

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  23. Woher kommt die Theorie, dass der Sturm auf die Bastille nie stattgefunden habe?

    Ich konnte leider nichts dazu finden, das interessiert mich wirklich brennend.

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  24. Die Bastille-Erstürmung fand SO nie statt :) Es gab keinen heldenhaften Angriff auf eine verteidigte Zwingburg, darum geht es.

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  25. Ja, aber kannst du bitte eine Quelle angeben, damit ich weiter nachforschen kann? Ich hab leider nichts gefunden.

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  26. Schau mal nach dem Buch "Niemand hat Kolumbus ausgelacht"

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  27. Zum Thema der BÖSE Russe: Verbrannte Erde, 2.Weltkrieg ;) nix da Böse, nur etwas angepisst;;;;))))

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